• Arbeitslose und ihr Haus in der Türkei Wie Milliyet über die Hartz-Reform und mögliche Folgen berichtet

Berlin : Arbeitslose und ihr Haus in der Türkei Wie Milliyet über die Hartz-Reform und mögliche Folgen berichtet

Suzan Gülfirat

Die Hartz-Reform ist für Türken ein großes Thema. Milliyet hat das erkannt und einige befragt. „Widerstand gegen unangemeldete Hausbesuche des Arbeitsamtes“ schrieb die Zeitung am Dienstag, wobei der Begriff für „unangemeldeter Hausbesuch“ im Türkischen auch Razzia bedeuten kann. Grund der Umfrage war eine Aussage von Heinrich Alt, Vize-Chef der Bundesagentur für Arbeit. Dieser hatte angedroht, dass seine Agentur notfalls auch Hausbesuche abstatten will, um die Vermögensverhältnisse von Arbeitslosen, denen Arbeitslosengeld II zusteht, zu überprüfen. „Gewerkschaften, zivile Verbände und vor allem die Türken, die am meisten von Arbeitslosigkeit betroffen sind, leisten Widerstand“, schrieb Milliyet und zählte auf, was Arbeitslose nicht besitzen dürfen. „Auf einem Formular müssen sie angeben, ob sie Konten im In- und Ausland, Lebensversicherungen, Aktien, Immobilien, Grundstücke, Schmuck, Gemälde, antike Möbel oder ein Auto besitzen.“

„Das ist unglaublich, dass Menschen, die jahrelang die Sozialkassen mit unterstützt haben und dann unverschuldet arbeitslos geworden sind, Besuche vom Arbeitsamt bekommen sollen“, empörten sich alle elf befragen Türken. Wo sie leben und was sie beruflich machen, schrieb Milliyet nicht, aber als Ortsmarke zu dem bebilderten Text stand Duisburg und Nürnberg. Einer der Befragten sagte weiter: „Die politischen Entscheidungen der letzten Jahre vermiesen den Leuten die Lust, für schlechtere Zeiten vorzusorgen.“ Für arbeitslose Türken kann es in der Tat verhängnisvolle Folgen haben, wenn rauskommt, was sie besitzen. Wer lange Zeit gearbeitet hat, besitzt ein Haus in der Türkei. Alle Gastarbeiter sind hierher gekommen, damit es ihnen einmal besser geht. Dafür wird immer wieder etwas beiseite gelegt. Das sieht man nicht nur auf Hochzeitsfotos von jungen Paaren, die über und über mit Gold behängt werden – Startkapital für eine sichere Zukunft.

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