Berlin : Arbeitslosigkeit: Das Lehrjahr startet mit Rekord an arbeitslosen Jugendlichen

Sigrid Kneist

Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres ist die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen in Berlin drastisch gestiegen. Ende Juli waren rund 34 400 Arbeitslose unter 25 Jahren gemeldet, das sind 5200 mehr als im Vormonat. Die Quote in dieser Altersgruppe stieg auf 19,2 Prozent. Der DGB sprach gestern von einer "katastrophalen Entwicklung, die so nicht zu erwarten" gewesen war. Auch insgesamt stieg die Zahl der Arbeitslosen: Mit 274 000 wurde der höchste Wert in einem Juli erreicht.

Nach Angaben des Landesarbeitsamtes ist die Jugendarbeitslosigkeit im Juli immer hoch, da viele Jugendliche ihre Berufsausbildung beenden, die dann von ihren Betrieben nicht übernommen werden. Auch Schulabgänger meldeten sich arbeitslos, um weiterhin kindergeldberechtigt zu sein. Die deutliche Steigerung erklärt Sprecher Klaus Pohl damit, dass die geburtenstarken Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt strömen. Im vergangenen Monat haben sich 2000 Jugendliche nach ihrer betrieblichen oder überbetrieblichen Ausbildung und 3700 Absolventen einer Fachschule arbeitslos gemeldet.

Nach Pohls Angaben reagieren die hiesigen Arbeitsämter auf die schlechte Arbeitsmarktlage verstärkt mit Vermittlungen in die südlichen Bundesländer. "Darunter sind naturgemäß meist junge Leute, die noch ungebunden sind", sagte Pohl. Er verwies darauf, dass die Zeit ohne Job bei unter 25-Jährigen zwischen drei und fünf Monaten und damit unter dem allgemeinen Durchschnitt von mehr als acht Monaten liege. Über das Jugendsofortprogramm wird derzeit die Beschäftigung und Qualifizierung von rund 6000 Jugendlichen in Berlin gefördert. Zudem werden jetzt über ein Sonderprogramm des Landes für 1000 Jobs erhöhte Lohnkostenzuschüsse gezahlt.

Während CDU-Spitzenkandidat Frank Steffel für die Entwicklung bei der Jugendarbeitslosigkeit vor allem dem Senat Versagen vorwirft, sieht Arbeitssenatorin Gabriele Schöttler (SPD) vor allem die Unternehmen in der Pflicht. Es fehlten ganz eindeutig die Arbeitsplätze. Die Betriebe müssten ihrer Verpflichtung nachkommen, junge Leute einzustellen und auszubilden. Dies unterstrich auch der stellvertretende DGB-Chef in Berlin-Brandenburg, Bernd Rissmann. Bei einer Befragung der Arbeitsverwaltung erklärten nur sieben Prozent der Unternehmen, auf Schwierigkeiten bei der Fachkräftesuche mit der Ausbildung eigener Lehrlinge zu reagieren.

Für das im September beginnende Lehrjahr sind derzeit noch rund 11 000 Bewerber ohne einen Ausbildungsvertrag. Auch wenn in den letzten Wochen noch viele Lehrverhältnisse geschlossen werden, wird das Angebot nicht ausreichen. Aus diesem Grund werden von Bund und Land 3500 überbetriebliche Plätze zur Verfügung gestellt. Sowohl die Arbeitsämter als auch der Senat gehen davon aus, dass somit alle Jugendlichen einen Platz bekommen.

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