Arbeitslosigkeit : Was macht eigentlich dein Papa? Hartz IV!

25.01.2012 00:00 UhrVon Annette Kögel
Laut Unicef wird ein Viertel der Berliner Kinder bei Eltern ohne Job groß. Foto: dpa
Laut Unicef wird ein Viertel der Berliner Kinder bei Eltern ohne Job groß. - Foto: dpa

Laut Unicef wird ein Viertel der Berliner Kinder bei Eltern ohne Job groß. Die Unicef fordert eine bessere Unterstützung von Alleinerziehenden.

Morgens klingelt kein Wecker, damit die Eltern pünktlich zur Arbeit kommen; stattdessen beginnt für die Erwachsenen ein Tag des Nichtstuns – oder der vergeblichen Suche nach einem Job: In Berlin wachsen 27 Prozent der Kinder in Haushalten auf, in denen beide Elternteile oder die alleinerziehende Mutter keine Arbeit haben. Dies sagte Jürgen Heraeus, Vorsitzender von Unicef Deutschland, am Dienstag beim Neujahrsgespräch des Kinderhilfswerks im Schloss Bellevue. Unicef-Schirmherrin Bettina Wulff empfing dort Vertreter der sozialen Verbände sowie Experten aus Wissenschaft und Politik zur Diskussion über die Lage der Kinder in Deutschland.

In Berlin wird laut der Studie „Starke Eltern – starke Kinder 2011/20112“ die Hälfte aller Mädchen und Jungen bei Alleinerziehenden mit oder ohne neuen Partner groß.

Eine Alleinerziehende hat im Schnitt 40 Prozent weniger Geld als die klassische Familie

Alleinerziehende haben der Untersuchung zufolge rund 40 Prozent weniger Einkommen zur Verfügung als traditionelle Familien, sagte Hans Bertram, Wissenschaftler von der Humboldt-Universität und Mitglied des Deutschen Komitees für Unicef. „Die Arbeitssituation der Eltern spielt eine große Rolle für die kindliche Entwicklung“, sagte Bertram – etwa wenn mehr als ein Viertel der Berliner Kinder kein Vorbild hat, das Verantwortung im Job vorlebt. Diese gesellschaftliche Dimension werde bei der Wirtschaftspolitik oft vergessen. In der Studie zur Lage der Kinder haben die Unicef-Experten auch das „kindliche Wohlbefinden“ in den Bundesländern verglichen - dafür wurden unter anderem Daten des Mikrozensus sowie aus der Pisa-Studie zu „materiellem Wohlbefinden“, zu Gesundheit und Sicherheit, Beziehungen zu Gleichaltrigen und Familie in Bezug gestellt. Vorn liegen da Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz. Brandenburg belegt den 6. Platz, Berlin ist drittletzter, dahinter folgen nur noch Sachsen-Anhalt und Bremen.

Berliner Kinder fühlen sich nicht wirklich wohl

Auch bei der direkten Befragung lagen die Berliner Kinder unter dem durchschnittlichen Deutschlandwert. Der Unicef-Vorsitzende Heraeus appellierte, Berlin müsse kinderfreundlicher werden, es gebe zu viele Rechtsstreits wegen Kinderlärms. Bertram forderte eine bessere finanzielle Unterstützung für Alleinerziehende und gab eine Erkenntnis zum Nachdenken auf den Weg: „Je weniger Freunde Kinder haben, desto schlechter sind ihre Noten.“

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