Arbeitsmarkt : Billigjobs setzen sich in Berlin durch

In den letzten vier Jahren ist die Zahl der Minijobber und Leiharbeiter gestiegen. Inzwischen haben ein Viertel aller Erwerbstätigen weniger als 900 Euro im Monat zur Verfügung.

Die Arbeitsmarktsituation in Berlin ist zunehmend durch den Einsatz von billigen Arbeitskräften geprägt. Das sagten die Senatorin für Arbeit und Soziales, Heidi Knake-Werner, und Wirtschaftssenator Harald Wolf (beide Linke) am Mittwoch bei der gemeinsamen Vorstellung des Wirtschafts- und Arbeitsmarktberichtes 2008/2009. Vor allem sei die Arbeitsmarktsituation schlecht für Langzeitarbeitslose, da die Hälfte von ihnen über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfüge.

Die Zahlen von Minijobs und Leiharbeit seien seit 2004 "problematisch" gewachsen, unterstrichen die Senatoren. Allein die Zahl der Zeitarbeiter in Berlin sei von 11.000 auf 25.000 gestiegen. Rund 362.000 der 1,1 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berlin verdienten unter 900 Euro netto pro Monat. "Damit haben ein Viertel aller Erwerbstätigen ein Einkommen unterhalb der Pfändungsgrenze", sagte Knake-Werner.

Altersarmut vorprogrammiert

110.000 Berliner müssten zu ihrem Einkommen "ergänzende Leistungen" beziehen, um über die Runden zu kommen, sagte die Senatorin und fügte hinzu: "Das schlechte Einkommen von heute ist die Niedrigrente von morgen." Knake-Werner zufolge droht damit eine Zunahme der Altersarmut. Die Zahl der Arbeitslosen habe im Juni 2009 in Berlin mit 236.000 leicht über dem Wert von Juni 2008 gelegen.

Um das Arbeitsmarktpotenzial von Berufseinsteigern und Arbeitslosen auszuschöpfen, setzt Berlin nach Angaben der Senatoren weiter auf eine mehrstufige Ausbildungs- und Arbeitsmarktpolitik. Im Mittelpunkt stünden die gezielte Weiterbildung, lebenslanges Lernen und die Unterstützung der bezirklichen Bündnisse für Wirtschaft und Arbeit. Gerade schlecht ausgebildete Langzeitarbeitslose müssten besonders gefördert werden. Schließlich würden die Anforderungen vieler Stellen über den Qualifizierungen der meisten Langzeitarbeitslosen liegen. (ho/ddp)

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