Arbeitsmarkt : Wirtschaftskrise gefährdet Integration

Sozialsenatorin Knake-Werner ist alamiert: Zwar bessert sich Beschäftigung und Ausbildung von Migranten – doch es drohen Jobverluste durch die Krise.

Ralf Schönball

Migranten in Berlin finden heute häufiger Arbeit, schließen die Schule öfter mit dem Abitur ab und werden auch häufiger im öffentlichen Dienst beschäftigt – dennoch bleibt die Integration von Berlinern nichtdeutscher Herkunft schwierig. Dies sind wichtige Ergebnisse aus dem „Umsetzungsbericht zum Integrationskonzept 2007“, den Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner gestern vorstellte.

Alarmierend ist in dem Bericht allerdings die schrumpfende Quote von Ausländern an den Auszubildenden in Berlin insgesamt: Sie betrug im Jahr 2006 nur noch 4,1 Prozent – halb so viel wie zehn Jahre zuvor. „Jämmerlich“ nannte Knake-Werner diesen Anteil und sagte: „Das kann man nicht akzeptieren.“ Die Senatorin appellierte an die Unternehmen in der Stadt, sich stärker zu engagieren. Als „vorbildlich“ bezeichnete sie den öffentlichen Dienst Berlins: Dort seien mehr als 14 Prozent aller Auszubildenden nichtdeutscher Herkunft. Damit arbeiteten im vergangenen Jahr fast doppelt so viele Auszubildende nichtdeutscher Herkunft in den Behörden wie fünf Jahre zuvor.

Das liege auch an der dazu eingeleiteten Kampagne „Berlin braucht dich!“, die auf landeseigene Unternehmen ausgeweitet werden solle. Die Anstrengungen sind geboten, denn in Neukölln, Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg sind knapp zwei Drittel aller Jugendlichen Migranten. Sie werden Berlin und seinen Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren immer stärker prägen.

Die gute Nachricht dabei ist, dass Berliner nichtdeutscher Herkunft vom Wirtschaftsaufschwung der letzten Jahre profitiert haben: Die Arbeitslosigkeit ging unter Berliner Ausländern von 44,2 Prozent im Jahr 2005 auf 31,4 Prozent zurück. Nicht alle bekamen nur Minijobs, denn auch die Zahl sozialversicherungspflichtiger Beschäftigter unter Ausländern nahm um 7000 Personen zu. Doch durch die Krise, das befürchtet die Senatorin, seien viele dieser Job wieder gefährdet. „Der ökonomische Druck ist unter Ausländern gewaltig“, sagte sie.

Voraussetzung für einen Job sind Sprachkenntnisse. Daran hapert es bei ausländischen Berlinern aber oft: „Knapp die Hälfte der Migrantenkinder brauchen in der Kita eine Sprachförderung“, sagte Knake-Werner. Dagegen brauche nur jedes zehnte deutsche Kind Nachhilfe in seiner Muttersprache. Weil aber 93 Prozent aller Vierjährigen eine Kita besuchen, habe jeder die Chance, bis zur Einschulung den Rückstand aufzuholen.

Immer öfter gelingt das auch: Der Anteil der Abiturienten aus Familien nichtdeutscher Herkunft verdoppelte sich zwischen den Jahren 2003 und 2007 fast – auf 21,8 Prozent. „Die Entwicklung ist positiv“, urteilte Knake-Werner. Einen Hauptschulabschluss machen nur noch 16,5 Prozent – gegenüber 24 Prozent fünf Jahre zuvor. Fortschritte bei der Integration der vielen nichtdeutschen Berliner erkennt die Sozialsenatorin auch daran, dass sie zum Beispiel stark in Beiräten von Quartiersmanagement-Büros (QM) vertreten sind – in den Gremien der 29 Büros in Berlin stellen sie ein Drittel dieser Posten. QM-Gebiete liegen häufig in Stadtteilen mit hohem Ausländeranteil. In diesen Gebieten stellen Migranten bald schon die „Mehrheitsgesellschaft“.

Deshalb begrüßte Knake-Werner auch, dass ein „Umdenken“ bei der Polizei, den Krankenhäusern und Stadtteileinrichtungen eingesetzt habe und diese nun verstärkt Arbeitssuchende mit Migrationshintergrund einstellten. Auch die Ausländerbehörde sei durch einen „intensiven Prozess“ umgestaltet worden – in eine „Service-Behörde für Ratsuchende“, die nach Berlin kommen.

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