• Arbeitsplätze für Asylbewerber: Wirtschaft und Behörden: Flüchtlinge schneller integrieren

Arbeitsplätze für Asylbewerber : Wirtschaft und Behörden: Flüchtlinge schneller integrieren

Arbeitssenatorin Dilek Kolat möchte, dass Flüchtlinge so schnell wie möglich einen Job finden. Dabei gibt es aber immer wieder Probleme.

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In der Übungswerkstätte von "Arrivo" in Kreuzberg erhalten Flüchtlinge Anleitung und Unterstützung bei der Berufswahl. picture alliance / dpa
In der Übungswerkstätte von "Arrivo" in Kreuzberg erhalten Flüchtlinge Anleitung und Unterstützung bei der Berufswahl.Foto: picture alliance / dpa

Amir M. hat einen Wunsch: Der 21-jährige Flüchtling aus Afghanistan möchte gerne Industriemechaniker werden. Er spricht gut Deutsch, und einen Ausbildungsplatz hätte er auch schon; aber leider darf er ihn nicht antreten. Die Ausländerbehörde stellt sich quer; er bekommt keine Arbeitserlaubnis. Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) wird hellhörig, als der junge Mann die Geschichte bei ihrem Besuch des „Arrivo-Projekts“ in Kreuzberg erzählt. „Da müssen wir uns kümmern“, sagt Kolat zu ihren Mitarbeitern. Mit Vertretern der Arbeitsagentur, der Wirtschaft, Bildungsinstitutionen und des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge besucht sie an dem Tag Einrichtungen und freie Träger, die mit der Integration von Flüchtlingen in den Berliner Arbeitsmarkt zu tun haben. Für Kolat ist dies besonders wichtig: „Ich möchte, dass aus Flüchtlingen Steuerzahler werden.“ Und zwar so schnell wie möglich.

Junge Flüchtlinge werden fit gemacht für den Arbeitsmarkt

Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer, kennt Probleme wie das des jungen Afghanen. Er mahnt an, dass die Ausländerbehörde in solchen Fällen ihre Spielräume nutzen soll: „Die Unternehmen brauchen Rechtssicherheit.“ Arrivo ist ein Projekt, das in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und Handwerksbetrieben dazu beitragen soll, vor allem junge Flüchtlinge fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Bei dem Programm können sie sich in verschiedenen Handwerksbereichen ausprobieren, erhalten Förderung durch Deutschkurse.

Alhagie G. aus Gambia arbeitet derzeit in der Holzwerkstatt. Er würde gerne eine Tischlerlehre machen. Das Projekt hat bisher 110 Teilnehmer – angesichts von bis zu 25 000 Flüchtlingen, die nach Schätzungen im kommenden Jahr in Berlin Arbeit suchen könnten, können es nur wenige von ihnen durchlaufen. Dennoch hält Christian Wiesenhütter, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK, es für wichtig, dass wie in diesem Projekt Berufsorientierung, Qualifizierung und Vermittlung aus einem Guss angeboten und die Verfahren vereinheitlicht und entsprechend zertifiziert werden.

Unter den Flüchtlingen sind viele Akademiker

Bei der Erstanlaufstelle für Flüchtlinge in der Bundesallee können Neuankömmlinge, wenn sie das Kriterium erfüllen, mit hoher Wahrscheinlichkeit in Berlin bleiben zu können, direkt nach der Registrierung auch bei der Arbeitsagentur einen Termin bekommen. Beispielsweise im sechsten Stockwerk, im Büro von Jeremias Werner. Der Arbeitsamtsmitarbeiter macht ein erstes Profiling und sieht, welche Qualifikationen die einzelnen bieten. Werner hat die Erfahrung gemacht, dass „überraschend viele Akademiker“ dabei sind, aber eben auch Menschen, die nur wenig Schulbildung haben. In der Regel aber seien alle „hoch motiviert“, hier arbeiten zu wollen.

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