Berlin : Archäologische Grabungen: Biesdorfer Bärenjägern auf der Spur

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Während die Archäologen begeistert sind, rümpfen manche Investoren die Nase: Denn wegen der umfangreichen Grabungen im Entwicklungsgebiet Biesdorf- Süd konnten einige Bauten erst später als geplant beginnen. Doch Hartmut Rakow von der Deutsche Bau- und Grundstücks- AG (BauGrund), die das Gelände im Auftrag des Landes Berlin entwickelt, ist stolz: "Die Funde beweisen, dass die Menschen schon vor 10 000 Jahren diesen wunderbaren Standort als Wohngegend bevorzugten." Wenn in einigen Jahren bis zu 10 000 Biesdorfer das neue Stadtquartier am Rande des Flüsschens Wuhle bevölkern, sollen sie erfahren, wer eigentlich ihre Vorgänger waren. Rakow kündigte an, Tafeln mit Bildern und Texten aufstellen zu lassen.

Schon jetzt kann Kai Schirmer von der Arbeitsgemeinschaft Baugrund Archäologie (ABA) von "sehr erfolgreichen Grabungen berichten". So wurden in den vergangenen zwölf Monaten auf einer Fläche von 20 000 Quadratmetern nahezu 10 000 Einzelfunde gemacht. Neben Löffeln, Pfeilspitzen, Tierknochen, Gewandspangen und Eisengegenständen entdeckten die Archäologen etliche Werkzeuge. Zu den ältesten gehört ein fast 9000 Jahre altes Kernbeil, das einst Jäger, Sammler und Fischer benutzten.

"Das Besondere dieser Grabungen besteht darin, dass sie durch wissenschaftliche Untersuchungen begleitet wurden", sagt Schirmer deutlich. So konnte unter anderem nachgewiesen werden, dass es im heutigen Biesdorf-Süd seit 3000 vor unserer Zeit eine kontinuierliche landwirtschaftliche Nutzung gab. Auch das geborgene Knochenmaterial ist inzwischen fast ausgewertet. Die Experten haben Spuren von Rindern und Schweinen gefunden und wissen nun, dass zu den Jagdbeuten einst Elche, Ur- und Braunbären, aber auch Welse gehörten. "Das lässt wiederum Rückschlüsse auf die damaligen Umweltbedingungen zu", sagt Schirmer.

Zu den bedeutendsten Entdeckungen gehört ein rund 2000 Jahre alter Kalkbrennofen. Denn damit kann der Abbau von Wiesenkalk nachgewiesen werden, betont der Archäologe. Erstaunlich sei auch der gute Zustand der Fundstücke. Die Experten erklären das unter anderem damit, dass sich auf dem Gebiet Militärobjekte befanden und es dadurch keine intensive Bodennutzung gab.

Rund 1,6 Millionen Mark kosteten die Grabungen bisher, wovon 330 000 Mark vom Landesdenkmalamt bezahlt wurden. Mit der Einrichtung eines Grabungsfonds - über den derzeit auch im Senat diskutiert wird - könnten solche Untersuchungen billiger werden, erläuterte Professor Wilfried Menghin, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte. Entwicklungsträger sollten sich darin einbringen und die Gelände untersuchen, bevor sie an einen Investor verkauft werden. Schon jetzt steht fest, dass die bedeutendsten Biesdorfer Fundstücke im Bezirksmuseum gezeigt werden.

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