• „Arche“ wird die Förderung gestrichen Projekt für arme Kinder stehe auf „eigenen Beinen“

Berlin : „Arche“ wird die Förderung gestrichen Projekt für arme Kinder stehe auf „eigenen Beinen“

Für Bernd Siggelkow ist es ein deutliches Zeichen. Dass der Bezirk Fördermittel für das von ihm begründete Jugendhilfsprojekt „Die Arche“ in Höhe von 18 000 Euro gestrichen hat, sei „ein Nicht-Bekenntnis zu unserer Arbeit“. Der Jugendhilfeausschuss Marzahn-Hellersdorf hat bei der Verteilung der Mittel von 951 000 Euro für den Bezirk die Einrichtung für sozial-benachteiligte Kinder nicht mehr berücksichtigt – nach sechs Jahren der Förderung. Der Beschluss zeige, dass das Projekt in Marzahn-Hellersdorf nicht akzeptiert werde, sagte Siggelkow. Dort wolle man sich das Problem der Kinderarmut einfach nicht vor Augen führen, sagte der Pfarrer, der mit seiner Arbeit bundesweite Aufmerksamkeit genießt.

Sebastian Czaja, FDP-Abgeordneter aus Hellersdorf, verteidigt die Streichung der „Arche“-Zuwendung: Das Projekt von Pfarrer Siggelkow stünde mit einem jährlichen Spendeneinkommen von rund 1,4 Millionen Euro „auf eigenen Beinen“. Mit den 18 000 Euro der „Arche“ solle nun „eine Vielzahl anderer Projekte“ gefördert werden, 52 Förderanträge seien allein in diesem Jahr gestellt worden. Der Hellersdorfer SPD-Abgeordnete Sven Kohlmeier sieht die Selbstständigkeit der „Arche“ jedoch als „reines Totschlagargument“. Es gebe auch andere Projekte, die finanziell auf eigenen Beinen stehen – „auch die fördern wir“. Jeder Euro käme immerhin den Kindern zugute.

Dass die Mittelstreichung am Veröffentlichungstag des diesjährigen „Kinderreports“ des Kinderhilfswerks beschlossen wurde, ist für Sven Kohlmeier ein bezeichnender Zufall. Rund 2,5 Millionen Kinder in Deutschland leben nach Angaben des Reports unterhalb der Armutsgrenze. Der Beschluss vom Mittwoch zeige, dass dieses Problem noch nicht in allen Köpfen angekommen sei.

Bernd Siggelkow will sich nun an die Senatsverwaltung richten. 2007, als schon mal die Zuwendung gekürzt wurde, machte ein Protest den Beschluss rückgängig. Die Bezirksverordnetenversammlung billigte der „Arche“ das Geld zu. tkl

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