Architekt im Interview : "Das lässt mich nicht mehr los"

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Wie wichtig ist das Holocaust-Mahnmal in Berlin für Sie, fünf Jahre nach seiner Einweihung?

Sehr wichtig. Ich werde auch immer noch darauf angesprochen, bekomme immer noch viele Mails, in denen mir Besucher mitteilen, wie gelungen sie es finden. Nächste Woche fliege ich außerdem nach Jerusalem. Da wird mir ein wichtiger Preis verliehen für das Stelenfeld.

War nicht gerade Israel anfangs sehr skeptisch angesichts der Mahnmal-Pläne?

Und wie! Deshalb freut es mich ja ganz besonders, dass mir dort ein Preis verliehen wird. Noch dazu in der Knesset von Israels Präsident Shimon Peres. Das ist eine große Sache für mich, eine große Ehre!

Was hat das Mahnmal-Projekt für Sie persönlich verändert?

Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben begonnen, mich mit meinem Jüdischsein zu beschäftigen.

Und? Sind Sie religiös geworden?

Ich? (lacht) Nein, keine Sorge, ich bin nicht religiös geworden. Nachhaltiger war allerdings meine Auseinandersetzung mit Deutschland, die auch durch die Arbeit am Mahnmal begonnen hat.

Inwiefern?

Ich beschäftige mich nach wie vor viel mit den Deutschen und ihrem Verhältnis zur Vergangenheit. Ich finde es sehr faszinierend, wie sich dieses Verhältnis verändert. Ich lese alle neuen Bücher, die zu dem Thema erscheinen. Jonathan Littells Roman „Die Wohlgesinnten“ zum Beispiel fand ich sehr erstaunlich. Mit welcher Direktheit und Brutalität hier nach der Erinnerung gefragt wird, so etwas ist mit architektonischen Mitteln nicht möglich. Architektur gerät schnell in Gefahr, kitschig zu werden, wenn sie versucht, Gefühle anzusprechen.

Sie haben sich auch den Film „Heimat“ von Edgar Reitz angeschaut?

Das steht in Zusammenhang mit einem anderen Projekt, das wir in Spanien bauen wollen, bei dem es auch um Erinnerung geht. Sie sehen, das Thema lässt mich nicht mehr los. Ich habe auch „Das weiße Band“ von Michael Haneke gesehen, ein großartiger Film. Ich habe mich mit Haneke ein bisschen angefreundet, habe ihn zu mir nach Yale an die Uni eingeladen, er hat mit meinen Studenten über den Film, über Erinnerung, Erziehung und Kunst diskutiert.

Würden Sie im Nachhinein etwas anders machen bei dem Mahnmal?

Nein, ich würde es genau so wieder bauen.

–Das Interview führte Claudia Keller.

Peter Eisenman (77) ist ein preisgekrönter Architekt und Architekturtheoretiker.

Er lebt in New York und baut zur Zeit in Spanien, Italien

und Abu Dhabi.

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