Architektur : Die gerettete Mitte

Was die DDR rund um den Hackeschen Markt verrotten ließ, wurde für hunderte Millionen saniert. Eine Schau zeigt die Ergebnisse

Matthias Oloew

Viel hat nicht mehr gefehlt. Der Giebel des Hauses Gipsstraße 11 war Ende der 1980er-Jahre nahezu eingefallen, die Fenster waren zugemauert. Keine zehn Jahre zuvor war der Bau noch intakt. „Was der Krieg verschonte, überlebt im Sozialismus nicht.“ Diesen Satz hatten Mitglieder der Bürgerinitiative „Rettet das Scheunenviertel“ – eine der wenigen in der damaligen DDR – ein paar Straßen weiter an die Fassade der Mulackstraße 37 gepinselt. An diesem Haus hatten die Sprengmeister wie an vielen anderen schon ihre Dynamitladungen angebracht. Zum Ende der DDR drohte auch der Spandauer Vorstadt das Aus.

Heute gibt es sie immer noch – instandgesetzt, herausgeputzt und attraktiv wie nie. 15 Jahre wurde dieses einzige in seiner historisch gewachsenen Struktur erhaltene Teil des alten Berliner Stadtgebiets saniert. Über 200 Millionen Euro öffentliche Gelder sind in das Schmuckstück hineingeflossen, fünfmal so viel haben Bauherren und Investoren investiert. Auch die Gipsstraße 11 und die Mulackstraße 37 haben überlebt. Das Haus in der Gipsstraße ist eines der wenigen Zeugnisse frühklassizistischer Architektur in Berlin.

Die Sanierung der Spandauer Vorstadt, inklusive ihrer mittlerweile berühmt gewordenen Hofanlagen – wie die Hackeschen Höfe, die Kunsthöfe oder auch die Heckmannhöfe – dokumentiert nun eine Ausstellung im Postfuhramt. Viele Bilder vor Beginn der Sanierung sind zu sehen, die heute, angesichts der instand gesetzten Straßenzüge, wie Zeugnisse aus der Großvatergeneration wirken. Aber die Aufnahmen sind keine 20 Jahre alt und zeigen so eindrücklich, wie viel Arbeit und Aufwand in der Sanierung steckt.

Natürlich gibt es viel über die Formalien des Sanierungsrechts zu lesen, über Kämpfe, sich gegen reine Investoreninteressen zu behaupten. Und über Anwohnerinitiativen, die sich nicht nur für alte Häuser, sondern auch für Parks und neue Grünanlagen einsetzten. So wird ein Lehrstück über ein gelungenes, aber langwieriges Kapitel der Entwicklung in der Innenstadt daraus. Die Botschaft ist klar: Das Engagement auf allen Seiten hat sich gelohnt. Matthias Oloew

Ausstellung im ehemaligen Postfuhramt, Tucholskystraße 19/21, bis 2. März, täglich 11 bis 20 Uhr

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