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Architektur in Berlin : Wachstumsstörung in der City West

Architekten und Planer fordern eine schnellere Entwicklung des Quartiers am Zoo und auch mehr Tempo beim Berliner Hochhausentwicklungsplan.

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Ein Entwurf des Architekten Jan Kleihues für das von ihm angeregte Quartier am Zoo.
Ein Entwurf des Architekten Jan Kleihues für das von ihm angeregte Quartier am Zoo.Simulation: Kleihues + Kleihues Architekten

Die westliche Innenstadt ist gefragt – und doch wird ihre Entwicklung nach Ansicht von Stadtplanungsexperten gebremst, weil es bisher weder einen Masterplan für das Gebiet rund um die Hertzallee nordwestlich des Bahnhofs Zoo noch einen Berliner Hochhausentwicklungsplan gibt.

Diese Ansicht vertraten der CDU-Stadtentwicklungspolitiker Stefan Evers, Architekt Jan Kleihues und Professor Harald Bodenschatz vom Center for Metropolitan Studies der TU Berlin am Dienstagabend bei einer Diskussion der Konrad-Adenauer-Stiftung über die „Wachsende City West“.

Architekt Kleihues geht es zu langsam

Kleihues hatte schon vor vier Jahren seine Vision eines „Quartiers am Zoo“ präsentiert. Zusammen mit dem Ex-Bundesbaumanager Florian Mausbach präsentierte der Architekt damals die Idee einer Mischnutzung mit sechs Hochhäusern, 800 Wohnungen sowie Büros und Läden in der Gegend, die vom Bahnhof bis zum Landwehrkanal und dem TU-Campus reicht. Das Hochhaus-Ensemble habe man nicht zuletzt vorgeschlagen, um ein „großes Medienecho“ zu erreichen, sagte Kleihues nun.

Auf der politischen Ebene habe sich dagegen nichts getan, beklagte er. Auch die Arbeitsgemeinschaft City denke nicht weit genug. Der Anliegerverein werbe zwar zusammen mit dem Architekten Christoph Langhof für einen Wolkenkratzer auf dem Hardenbergplatz, das allein genüge jedoch nicht.

Das Gebiet am Zoo sei „entscheidend für die gesamte Berliner Mitte“, befand Harald Bodenschatz. Er halte es für wichtig, dass bis 2020, wenn das 100. Jubiläum der Gründung Groß-Berlins im Jahr 1920 bevorsteht, eine „umsetzbare Planung“ vorliegt.

Evers forderte außerdem erneut eine Beschleunigung beim Berliner Hochhausentwicklungsplan. Dieser müsse 2018 vorliegen und nicht erst – wie bisher vorgesehen – Ende 2019. Um ein Zeichen zu setzen, will die CDU im Abgeordnetenhaus beantragen, Gelder für den Plan bereits in den Landeshaushalt 2018 einzustellen. Mit einem Erfolg dieses Vorstoßes rechnet Evers wegen der rot-rot-grünen Mehrheit aber nicht.

Traufhöhe stellenweise von 22 auf 100 Meter erhöhen?

Zum Thema Wohnungsbau sagte der CDU-Politiker, die City West lasse sich durchaus noch weiter verdichten – das Problem sei vielmehr die „Aktivierung“ potenzieller Flächen. In keiner anderen Metropole sei es beispielsweise vorstellbar, dass Lebensmitteldiscounter mitten in der Innenstadt einstöckige Märkte mit sehr großen Parkplätzen betreiben. Auch viele ältere Wohn- und Geschäftshäuser mit nur zwei bis drei Etagen seien nicht mehr zeitgemäß.

Aber wie hoch sollte gebaut werden? Aus dem Publikum meldete sich der Charlottenburg-Wilmersdorfer CDU-Bezirksverordnete Reinhold Hartmann mit der Forderung zu Wort, die Berliner Traufhöhe für die Standorte von Hochhausprojekten auf 100 Meter zu erhöhen. Die bisherige Traufhöhe von 22 Metern sei für viele Gegenden durchaus sinnvoll, aber eben nicht überall. Einst diente die Traufhöhe vor allem dem Brandschutz und entsprach der Länge der Feuerwehrleitern.

Für größere Bauten „brauchen Investoren klare Regeln“, sagte Bodenschatz. So sah es unter anderem auch Geschäftsführer Norman Schaaf von der Cells Group, die den Umbau des Ku’damm-Karrees plant. Der bisher übliche Weg, „Befreiungen“ vom geltenden Baurecht beantragen zu müssen, mache Investoren das Leben unnötig schwer.

- Wir haben den Text nachträglich auf Wunsch des CDU-Verordneten Hartmann um einen Satz ergänzt. Ihm sei es nicht um eine Traufhöhe von 100 Metern in ganz Berlin gegangen, stellte Hartmann am Donnerstag klar.

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