Architekturdebatte (2) : Berlin ist reich – an Raum

Das Unfertige ist ein Charakteristikum Berlins. Wie geht man mit diesen "Leerstellen" um? Stadtbaudirektorin Regula Lüscher skizziert in Teil zwei der Architekturserie ihre Vision des Berlin von morgen.

Eine IBA für Berlin sollte sich thematisch keinesfalls verzetteln, argumentiert der Münchener Architekt und Stadtplaner Thomas Sieverts. Und sie sollte Bedeutung auch für andere Metropolen haben. Ein Beispiel heißt: Verkehr. Ausfallstraßen, die immer mehr Stadtraumqualität zerstören, nennt er ein „weltweites Problem“. Hier, und möglichst an den Stadträndern und nicht im Zentrum, könnte eine IBA Lösungen finden und sogar ein länderübergreifendes Projekt Berlin-Brandenburg werden.Weitere Bilder anzeigen
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06.07.2011 14:12Eine IBA für Berlin sollte sich thematisch keinesfalls verzetteln, argumentiert der Münchener Architekt und Stadtplaner Thomas...

Berlin ist als internationale Metropole Sonderfall und Beispiel zugleich. Durch die Geschichte der Teilung „verspätet“, standen die zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer im Zeichen des Zusammenwachsens. Inzwischen hat ein Prozess der Annäherung an die Entwicklung anderer Metropolen eingesetzt. Der Druck auf Innenstadtquartiere steigt, es bildet sich ein Gefälle zwischen Kristallisationspunkten im Innern und der äußeren Stadt.

In dieser Situation habe ich eine dritte Internationale Bauausstellung in Berlin vorgeschlagen – mit starker Resonanz. Über drei Monate tagte das „IBA-Studio“ mit mehreren tausend Beteiligten aus einer interessierten Fachöffentlichkeit, die mit dem IBA-Team, mit Politik und Verwaltung über die Perspektiven einer IBA diskutierten und Vorschläge zur Weiterentwicklung machten.

Warum eine IBA Berlin 2020? Berlin mit seiner Fähigkeit, Unterschiede und Differenzen auszuhalten, verfügt über das größte urbane Potenzial in der Republik, Berlin ist der Ort, an dem sich das Städtische immer wieder neu erfindet.

"Berlin ist die Hauptstadt der Zwischennutzung"

Dies wurde bereits mit zwei Internationalen Bauausstellungen bewiesen. Mit der „Interbau 1957“ entstand das Hansaviertel, wo die architektonische Avantgarde der Nachkriegsmoderne exemplarisch den Traum von der funktionalen, durchgrünten Stadtlandschaft verwirklichte. Die IBA 1984/1987 führte mit den Begriffen „kritische Rekonstruktion“ und „behutsame Stadterneuerung“ die Bewegung gegen den Städtebau der Moderne und die „Stadtentwicklung mit der Abrissbirne“ an.

Die IBA Berlin 2020 wird keine „dritte Folge“ sein, wohl aber reflektiert sie diese Erfahrungen, wenn sie sich den gewandelten Herausforderungen zuwendet. Ein Umdenken muss einsetzen, die Stadt muss Platz für alle und alles schaffen: Für das Wohnen wie für das Arbeiten, für Kultur und Freizeit, für die Jungen wie für die Alten. Sie braucht eine gesunde Umwelt und Mobilität für alle, sie muss ressourceneffizient, aber auch wirtschaftlich erfolgreich sein. Sie will die Menschen „mitnehmen“, sie zu Akteuren machen. Diesen Ansprüchen gleichermaßen Raum zu geben erfordert, die Stadt zu mischen, den urbanen Zusammenhalt über die gesamte Stadt zu organisieren.

Mischung findet auf unterschiedlichen Ebenen statt. Zum einen geht es um funktionales Mischen, vor allem von Wohnen, Arbeiten, Lernen und Forschen. Arbeit zieht es wieder in die Städte. Selbst Industrie sucht sich im Gewand moderner Produktion das städtische Umfeld, den Anschluss an städtische Kommunikation, an Kultur und Politik, die Nähe zu Wissenschaft und Forschung.

Auf Seite zwei lesen Sie über die räumliche Mischung und urbane Qualität.

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