Architekturdebatte (4) : Berlin braucht Mut zum Risiko

Eine Internationale Bauausstellung in Berlin müsste sich einer zukunftsentscheidenden Problemlage widmen, die neue Lösungswege erfordert. Ist Berlin bereit und so mutig, sich in das Abenteuer einer IBA 2020 zu stürzen?

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Eine IBA für Berlin sollte sich thematisch keinesfalls verzetteln, argumentiert der Münchener Architekt und Stadtplaner Thomas Sieverts. Und sie sollte Bedeutung auch für andere Metropolen haben. Ein Beispiel heißt: Verkehr. Ausfallstraßen, die immer mehr Stadtraumqualität zerstören, nennt er ein „weltweites Problem“. Hier, und möglichst an den Stadträndern und nicht im Zentrum, könnte eine IBA Lösungen finden und sogar ein länderübergreifendes Projekt Berlin-Brandenburg werden.Weitere Bilder anzeigen
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06.07.2011 14:12Eine IBA für Berlin sollte sich thematisch keinesfalls verzetteln, argumentiert der Münchener Architekt und Stadtplaner Thomas...

Jede Einrichtung einer Internationalen Bauausstellung (IBA) steht in einer langen und wirkmächtigen Tradition. Das hat Werner Durth in seinem Beitrag in dieser Zeitung faktenreich gezeigt. Hohe Ansprüche sind damit verbunden: Den Namen IBA verdient nur eine Organisation, die sich kühne, ja verwegene Ziele setzt und die sich auf hohem Niveau drei Grundsätzen verpflichtet weiß: Sie muss sich einer bedeutsamen, zukunftsentscheidenden Problemlage widmen, die neue Lösungswege erfordert. Dazu gehört Mut zum Risiko. Sie muss neue Verfahren und Prozesse entwickeln und praktizieren, die Antworten geben auf bürokratische Verkrustungen und politische Hindernisse. Dazu gehört Verfahrenskreativität und die Bereitschaft des politisch-administrativen Systems, sich zumindest partiell zu öffnen. Sie muss nicht zuletzt in allen ihren Manifestationen einen wichtigen Beitrag zur Kultur der Stadt leisten: In ihren Formen der Bürgerbeteiligung genauso wie in ihren Bauwerken. Letztlich wirkt eine IBA über die sinnlich erfahrbare Qualität: Nur diese Qualität bleibt nachhaltig in der Erinnerung. Ziele, Inhalte und Organisation einer IBA 2020 in Berlin müssen sich an diesen Grundsätzen messen lassen.

Für eine IBA 2020 stehen zwei Vorschläge zur Diskussion: Der Vorschlag der Senatsbaudirektorin mit dem Titel „Strategien für eine gemischte Stadt – Hauptstadt, Raumstadt, Sofortstadt“ und der Vorschlag einer Gruppe freiberuflicher Architekten und Stadtplaner mit dem Titel „Radikal Radial“. Beide Vorschläge unterscheiden sich in ihren gedanklichen Ansätzen.

Der Vorschlag der Senatsbaudirektorin und ihrer Arbeitsgruppe greift unter dem Leitthema „gemischte Stadt“ drei Themenfelder auf, die für die Transformation Berlins bedeutsam sind: Wie soll sich Berlin als Hauptstadt darstellen (Hauptstadt)? Wie kann Berlin das reiche Kapital des „öffentlichen Raums“ besser nutzen und gestalten (Raumstadt)? Und nicht zuletzt: Wie kann Berlin seine vielen Brachflächen und brachgefallenen Gebäude mit Nutzungen auf Zeit beleben (Sofortstadt)? Das sind ohne Zweifel wichtige Problem- und Themenfelder und sie sind in dem Vorschlag auch gut begründet. Aber sind sie alle für sich genommen auch so neu, dass sie eines außerordentlichen Innovationsimpulses in Form einer IBA bedürfen? Gehören diese Problemfelder nicht letztlich zum Tagesgeschäft einer guten Großstadtverwaltung?

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