Architekturführer MItte : Haus-Aufgaben gemacht

Neuer Architekturführer über Mitte erschienen: Die frühere Baustadträtin Dorothee Dubrau zieht in einem Buch Bilanz.

Lothar Heinke
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Schön alt. Die ehemalige Josty-Brauerei in der Bergstraße gilt als Beispiel für eine gelungene Sanierung in Mitte. Foto: promo

Der Star dieser Veranstaltung war die Frau mit dem Fahrrad und dem Schrank voller Hüte, Architektin von Haus aus, doch elf Jahre lang Politikerin als Baustadträtin in Mitte – Dorothee Dubrau. Gefürchtet ob ihrer Konsequenz, wenn sie gegen jede Art von Kahlschlag in Straßen und Plätzen zu Felde zog, für die einen „Investorenschreck“, für viele andere die Mutter Courage vom Bau. Die seit 2006 selbstständige Stadtplanerin und Gastprofessorin an der Beuth-Hochschule für Technik in Berlin will an diesem Nachmittag allen zeigen, womit sie sich in den vergangenen vier Jahren beschäftigt hat. Dorothee Dubrau und das Bezirksamt Mitte haben in Clärchens Ballhaus in die Auguststraße geladen, es gibt Sekt, und viel mehr Leute kommen, als der Saal mit seinen flittrigen Girlanden an den Wänden fassen kann: Das architekturinteressierte Volk von Mitte drängt sich um einen Tisch mit dem gewichtigen Produkt, das hier die Autorin und ihr Verlag präsentieren – einen Architekturführer von Mitte. Schon beim flüchtigen Durchblättern spürt man das Besondere dieser beiden je 600 Seiten starken Bände: edles Papier, sauberer Druck, über 2000 Fotos alter und neuer Bauten von Mitte, davon viele mit dem schwarz-weißen „Vorher“ und dem bunten „Nachher“, also dem Heute, das uns täglich umgibt und von dem die meisten vor 20 Jahren, als für Mitte die neue und so ganz andere Zeit begann, nicht einmal zu träumen wagten.

„Wir haben in den letzten vier Jahren viel gelitten, gestritten und gelacht“, beschreibt der Verleger und Architekt Phillipp Meuser die Zusammenarbeit, „Sie sind eine Person, die sich immer treu geblieben ist.“ Unter den Co-Autoren finden sich auch die Namen einstiger Kontrahenten wie Wolfgang Nagel, diesen „streitbaren Partner“, der seine Lobeshymne auf die strikte Gegnerin einer „Manhattisierung“ der Berliner Mitte mit dem Satz beginnt: Erinnern führt zur Dankbarkeit. Berlin musste ja nicht neu erfunden werden, damals, nach 1990, als die Goldgräberstimmung ausgebrochen und die Friedrichstraße ein einziger Bauplatz war. „Das waren die sieben besten Jahre unseres Lebens“, sagen beide und sind sich darin einig, dass in Berlin-Mitte in den letzten zwei Dezennien mehr Neues entstand oder Altes umgekrempelt wurde als in anderen deutschen Städten in hundert Jahren. Paradebeispiel für sanfte Stadterneuerung mit der Beteiligung der Bewohner ist die Spandauer Vorstadt – das Buch illustriert nicht nur die Siege, auch Niederlagen: das abgerissene „Ahornblatt“, der verschwundene Tattersall, die stellenweise viel zu enge Friedrichstraße. Dennoch: „Stolz können wir sein auf die neue alte Mitte.“ Für Dorothee Dubrau ist sie der echte Star. Lo.

Architekturführer Berlin-Mitte, 2 Bd., DOM publishers, 38 Euro.

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