Architekturpreis : Meisterstück der klaren Linie

Schluss mit Billig-Architektur, öden Einfaltsfassaden und gewinnoptimierten Investoren-Schachteln! Gesucht wurden Berlins beste Bauten. Der Preis der Fachjury geht an die Zelterstraße 5: Die Gemeinschaft baute Townhouses mit wenig Geld.

Karoline Kuhla
Das Konzept erinnerte die Jury "an die großen Meisterleistungen der 1920er Jahre".
Das Konzept erinnerte die Jury "an die großen Meisterleistungen der 1920er Jahre".Foto: Mike Wolff

Ein eigener Garten im ersten Stock, eine unterirdische Garage mit direktem Zugang, ein modernes Haus mitten in der Stadt – diese Kombination überzeugte die internationale Fachjury des Architekturpreises Berlin. Nach einstimmiger Entscheidung geht der mit 20 000 Euro dotierte Architekturpreis Berlin 2013 an das Townhouse-Projekt in der Zelterstraße 5 - 11 in Prenzlauer Berg. „Trotz Standardbudget und vielfältiger Kontrolle durch das Prinzip der Bauherrengemeinschaft haben die Architekten es geschafft, ein durchweg hohes gestalterisches Niveau zu realisieren“, heißt es in der Begründung. Sieger ist damit das Berliner Architektenbüro Zanderroth mit dem Baugruppenprojekt „ze511BIGyard“ – eines von 160 Projekten, die sich dem Wettbewerb gestellt hatten.

Durch das Baugruppen-Projekt entstanden auf einem Grundstück in Prenzlauer Berg von Dezember 2008 bis Oktober 2010 insgesamt 6600 Quadratmeter Wohnfläche. Die 45 Eigentumswohnungen, auf die sich die Wohnfläche aufteilt, haben ganz unterschiedlichen Charakter: Direkt an der Zelterstraße wurde das Grundstück mit 23 dreigeschossigen Townhouses abgeschlossen, die hinter einer gemeinsamen Fassade liegen, aber jeweils einen separaten Eingang haben. Im Erdgeschoss direkt hinter den Häusern liegen die Garagen, auf deren Deck im ersten Stock ein Gemeinschaftsgarten angelegt ist. Das Hinterhaus auf der anderen Seite des Gartens ist fünfgeschossig und setzt sich zusammen aus zehn Gartenhäusern mit drei Stockwerken und zwölf darüberliegenden Penthouses.

Für die Entscheidung der Jury waren mehrere Aspekte ausschlaggebend. In der Begründung hebt sie die Vielfalt der entstandenen Wohntypen in der Zelterstraße hervor: von den hohen, dreigeschossigen Wohnungen mit Garten im Vorderhaus bis zu den zweigeschossigen Penthouses, die dank Dachterrasse Weitblick und einen Minigarten bieten. Überzeugt hat die Jury auch die klare gestalterische Linie, die von den Architekten trotz der Vielfalt vorgegeben wurde und „an die großen Meisterleistungen der 1920er Jahre“ erinnert, ohne sie zu kopieren.

Der von „Herrburg Landschaftsarchitekten“ angelegte Garten mit Baumhaus, Hügel, Wasserspielen und mäandernden Wegen weiß ebenfalls zu gefallen. (Siehe auch Haus & Garten-Seite in dieser Ausgabe) Niedrige Bäume, heißt es in der Begründung, dienten als Filter zwischen Vorder- und Hinterhaus. Da der Garten von den Architekten auf Höhe des ersten Stockwerks geplant wurde, bietet er Familien Freiraum und Sicherheit zugleich. Der Entwurf werde damit dem Wunsch vieler Eltern gerecht, die sich für ihre Kinder eine „enge soziale Kontrolle bei größtmöglicher Freiheit“ wünschten, argumentiert die Jury. Karoline Kuhla

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