Berlin : Arm gewinnt

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VON TAG ZU TAG

David Ensikat über Schuluniformen, Schulbücher, Arm und Reich

Es gab mal diese Diskussion um die Schuluniformen, erinnert sich noch jemand? Ih bäh, sagten da die Liberalen, wo bleibt die Individualität? Tolle Sache, riefen die Gleichmacher, da fällt es nicht mehr auf, wenn jemand kein Geld hat, um sich die hipsten Klamotten zu kaufen. (Um die Bauchnabelfrage ging es noch nicht, drum hielten sich die Klerikalen aus der Sache raus).

Die Debatte verlief, wo solche Debatten oft verlaufen, im Sande. Alles blieb beim Alten, die Liberalen sagten: Siehste. Jetzt geht es um die Schulbücher, und da wird es sein, wie es bei den Klamotten eh schon ist, die Kinder der Begüterten haben gute Neue, die Kinder der Armen bekommen Olle. Die Armen mit Sozialhilfebeleg bekommen nämlich kostenlose SchulSchulbücher. Die sind nicht selten gebraucht, und außerdem ist ein Stempel drin. Der Schulstempel als Armeleutestempel. Tolle Sache! Damit können die Armen- Kinder ihre billigen Klamotten amtlich rechtfertigen: Ich kann ja nix dafür, dass ich nicht hip bin, meine Alten können sich noch nicht mal meine Bücher leisten. Oder sie machen die Not zur Tugend: Die Fledderfibel, passend zum günstigen Schlabberlook. Von wegen Stigma, von wegen arme Arme. You can win, if you want. Wir sind so frei.

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