Berlin : Armer Fritz

Andreas Conrad

Gerade der Fritz! Ausgerechnet sein berühmtes Reiterstandbild soll zu unredlichem Geschäftsverhalten den Anlass gegeben haben, und dann auch noch auf solch degoutante Weise. Eine Gesamtausgabe Voltaire, einen Satz Zinnsoldaten, ja selbst eine Flöte hätte man als Morgengabe ja akzeptiert, als stilvolle Form, sich um einen Auftrag zu bewerben. Aber Fleischeslust als Argument, nein, das ist – wenn es sich denn so zugetragen hat, wie die Staatsanwaltschaft es sieht – eine eindeutige Majestätsbeleidigung, ja, ein Sakrileg. Fritz und die Frauen – manchem dünkt das ein Widerspruch in sich zu sein. Man weiß doch um die Tristesse seiner Ehe, die offensichtlich am besten lief, wenn seine Gemahlin weit entfernt war – und das war sie meistens. Erinnert sei hier auch an eine Beobachtung, die Casanova in Potsdam gemacht hat. Sein Gasthof lag Schloss Sanssouci gegenüber, die Fensterläden dort aber waren sogar im Sommer fest geschlossen. Nach den Erzählungen der Wirtin sei „eine sehr hübsche Tänzerin, die Reggiana, die in unserem Zimmer gewohnt habe, (...) eines Tages vom König im Zustande der reinen Natur erblickt worden; diese Erscheinung habe die bescheidenen Blicke Seiner Majestät verletzt, und der König habe die Fensterläden schließen lassen.“ Vier Jahre waren seitdem vergangen – ein Indiz, wie wenig der Alte Fritz mit Frauen anzufangen wusste.

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