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Armutsbericht : 21,4 Prozent der Berliner gelten als arm

In Berlin gibt es immer mehr arme Menschen. Im siebten Jahr in Folge fällt die Bilanz des Paritätischen Wohlfahrtsverbands schlechter aus als im Vorjahr. In Brandenburg ist die Lage insgesamt etwas besser. Verbandschef Schneider fordert für Berlin Maßnahmenprogramme für Alleinerziehende und Hartz IV-Bezieher.

von und Martin Niewendick
In Berlin und in Nordrhein-Westfalen steigt die Armutsquote seit 2006 kontinuierlich an. Foto: dpa
In Berlin und in Nordrhein-Westfalen steigt die Armutsquote seit 2006 kontinuierlich an.Foto: dpa

In Berlin sind viele Menschen arm und es werden immer mehr. Der neueste Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zur regionalen Armutsentwicklung zeigt: Im Jahr 2013 stieg die Armutsquote um 0,6 Prozentpunkte auf 21,4 Prozent. Der Anteil der Armen in Berlin nahm damit im siebten Jahr in Folge zu. Auch die Kinderarmut alarmiert die Experten: Jedes dritte Berliner Kind bis 15 Jahren lebt von Hartz IV. Im Bundesdurchschnitt sind es 15,5 Prozent.

Auch in Berlin sind vor allem Erwerbslose von Armut bedroht. Ihre Quote liegt bei ganzen 67,5 Prozent. Dazu kommen Alleinerziehende und Rentner. Auch Menschen mit geringem Bildungshintergrund sind gefährdet, bei ihnen sind es 49,1 Prozent. Die Quote unter Migranten liegt weiterhin fast konstant bei 37,6 Prozent.

Nur Kinderbetreuung reicht nicht

„Das Besondere an Berlin im Unterschied zum Bundestrend ist, dass die Quote der Hartz IV-Bezieher auf sehr hohem Niveau liegt“, sagt Ulrich Schneider, Geschäftsführer des Wohlfahrtsverbands, dem Tagesspiegel. „Hier muss dringend ein Programm der öffentlich geförderten Beschäftigung auferlegt werden.“ Auch die Förderung Alleinerziehender sei unzureichend, auch für sie müsse ein Maßnahmenprogramm auf den Weg gebracht werden. Alleinerziehende seien in der Regel Frauen, oft mit niedrigem Bildungshintergrund. „Da muss sehr viel umfassender herangegangen werden als bloß über den Ausbau der Kinderbetreuung“, so Schneider.

Kontinuierlicher Anstieg

Die Hauptstadt steht im Blick auf einen längeren Zeitraum zusammen mit Nordrhein-Westfalen besonders schlecht da. In beiden Ländern sind die Quoten seit 2006 kontinuierlich gestiegen: Die Armut ist in diesem Zeitraum doppelt so stark gewachsen wie im Rest Deutschlands. In Berlin lag die Quote im Jahr 2006 noch bei 17 Prozent.

In Brandenburg dagegen sieht die Sache anders aus. Anders als in fast allen anderen Bundesländern ist die Armut hier zurückgegangen. Die Armutsquote von 17,7 Prozent im Jahr 2013 liegt allerdings immer noch über dem bundesweiten Durchschnitt von 15,5 Prozent.

Den Armutsbericht können sie hier nachlesen.

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