Berlin : Army, hilf!

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VON TAG ZU TAG

Bernd Matthies über die Privatisierung

und den Weg zurück

Das Durcheinander beim Bau der Akademie der Künste hat ein großes Rätsel gelöst: jenes, warum die Amerikaner ihre Botschaft am Pariser Platz nicht bauen. Antwort: Sie wissen, dass sie zwar mit den Taliban und Saddam Hussein fertig werden können, aber nicht mit der hiesigen Baumafia. Noch jeder repräsentative Bau in der Stadt ist allemal um viele Millionen teurer geworden, als es in den Verträgen fest vereinbart war, sofern er überhaupt jemals fertig wurde. Je nach politischem Zeitgeist wird die Schuld an dieser Situation der unfähigen Baubürokratie zugeschoben oder den gierigen privaten Unternehmern, gern auch einer Kombination aus beidem. Wirklich geklärt wird das nie; es scheint inzwischen, dass Baukostenkatastrophen der Hauptstadt so eigentümlich sind wie Kalkutta die Armut.

Gegenwärtig ist es modern, dass der öffentliche Auftraggeber die Privaten schroff in ihre Schranken weist, wie es zuletzt beim Flughafen BerlinBrandenburg geschah. Und wie zum Beweis, dass nicht falsch sein kann, was dort verkehrt war, kriegt nun der Generalunternehmer der Akademie den Ausgang gezeigt, und die Bauverwaltung lässt die Muskeln spielen: Wäre doch gelacht, wenn wir nicht… Eines Tages ist alles fertig, die Kostensteigerungen sind gigantisch, der Rechnungshof sieht nach und sagt: Das hätten Private besser gekonnt. Hätten sie auch. Aber nicht in Berlin.

Keine Bange: Die US-Botschaft wird irgendwann gebaut. Allerdings erst, wenn die Pioniere der Army ein wenig Zeit haben. Und vorher rasch die Bauverwaltung besetzen.

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