Berlin : art forum berlin: Kunst macht Arbeit

Nicola Kuhn

Das verflixte siebte Jahr hat das "art forum berlin" zwar noch vor sich. Doch an seinem fünften Geburtstag stellt sich für den jüngsten Nachwuchs unter den internationalen Kunstmessen erneut die Existenzfrage: Wie soll es weitergehen nach dem viel beachteten Start 1995, mit dem Berlin sich wieder auf die Weltkarte des Kunsthandels katapultieren wollte? Die Bilanz der mit dem Anspruch "Qualität statt Quantität" angetretenen Verkaufsausstellung internationaler Kunst wies bisher noch in jedem Jahr gravierende Schönheitsfehler auf. Das Publikum war nie in Scharen in die West-Berliner Messehallen unterm Funkturm geströmt - wie bei der ein Vierteljahrhundert älteren "Art Cologne". Und auch die großen Verkaufserfolge, an denen sich das Schweizer Pendant "Art Basel" berauscht, blieben aus.

Wenn heute Nachmittag also das fünfte "art forum berlin" eröffnet und 159 vornehmlich aus dem Ausland angereiste Galerien bis Sonntag ihre Waren präsentieren, steht einiges auf dem Spiel. Nicht so sehr der Ruf Berlins als Kunststadt. Der ist gefestigter denn je: durch den Reichtum der Museen, die Springlebendigkeit der Galerien und die ungebrochene Attraktivität der Stadt für Künstler aus aller Welt, die ihre Ateliers hierher verlegen. Es geht vielmehr um das fragile Gleichgewicht zwischen diesen drei Faktoren. Und um die Glaubwürdigkeit des offiziellen Berlin, sich auch zu seinen Aufgaben als wichtigstem Produktionsort zeitgenössischer Kunst in Deutschland zu bekennen. Es reicht eben nicht, die schrägen Szenevögel für städtische Werbezwecke einzusetzen. Bis heute klagen die "art forum"-Organisatoren ein Bekenntnis der Politik ein; doch die Messe ist dem Regierenden Bürgermeister nicht einmal ein Grußwort wert.

Angesichts der aus aller Welt erwarteten "art forum"-Besucher bleibt diese Zurückhaltung unverständlich. Mag sein, dass Enttäuschung dahinter steckt, weil Berlin nach dem Fall der Mauer nicht im Handumdrehen wieder den Stellenwert als Kunsthandelsmetropole eingenommen hat, den die Stadt vor dem Krieg hatte. Der Markt für alte Kunst wird wohl nie mehr zurückkehren; die abrupten Schließungen der Dependancen internationaler Auktionshäuser bestätigten im vergangenen Jahr diese Erkenntnis noch einmal schmerzhaft. Umso mehr gilt es, die Potenziale der Stadt im zeitgenössischen Bereich zu fördern. Hier ist unbemerkt von den Museen durch die Vielzahl wichtiger Galerien ein kreatives Feld entstanden, das bundesweit seinesgleichen sucht.

So stehen selbst in seinem verflixten fünften Jahr für das "art forum" die Zeichen günstig, wenn sich die maßgeblichen Berliner Galerien für ihre Messe zu engagieren beginnen. Sie wollen das vornehmlich von Kölner Galerien gegründete Unternehmen fortan zu ihrer eigenen Sache machen. Als Gastgeber eines großen Festes für die herbeigereisten Kollegen heute Abend in der Neuen Nationalgalerie legt die neue Garde Berliner Galeristen ein bemerkenswertes Selbstbewusstsein an den Tag, von dem man nur hoffen kann, dass es auch die nächsten Messejahre trägt.

Die Eröffnung des "art forums" ist zugleich der Startschuss für den Berliner Kunstherbst, dem es in diesem Jahr an größeren Ausstellungsereignissen fehlt - bis auf die Präsentation der Kandidaten für den Nachwuchspreis der Neuen Nationalgalerie und die Eröffnung der Schau "After the Wall" im Hamburger Bahnhof. Diese eher zufällige Fokussierung auf junge und osteuropäische Kunst ist ein Zeichen für die tatsächlichen Stärken der Kunststadt Berlin: als Ort des Aufbruchs und als Drehscheibe für den Osten. Berlin muss den Weg der Spezialisierung gehen: An einem so schwer für den Kunstmarkt zu gewinnenden Ort hat eine Messe keine andere Chance.

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