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Ströbele lobt die Polizei

Der Grünen-Politiker hat an der Strategie am 1. Mai nichts auszusetzen – und erwartet für 2004 trotzdem Randale
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Er ist gewissermaßen der Popstar der Protestler. Wenn Hans-Christian Ströbele am 1. Mai in Kreuzberg auftaucht, teilt sich zuweilen die Menge. Demonstranten klopfen dem grauhaarigen Politiker fröhlich auf die Schulter. Polizisten nicken zum Gruß. Andere tanzen ein paar Schritte, singen den Raab-Ströbele-Hit: „Gib das Hanf frei!“

Kein 1. Mai ohne Randale. Kein 1. Mai ohne Ströbele. Und weil in diesem Jahr erst in Kreuzberg, dann in Mitte demonstriert wurde, pendelte der Kreuzberger Bundestagsabgeordnete auf seinem Fahrrad ständig hin und her. Hielt nach Willkür der Polizei Ausschau, nach Provokationen der Staatsmacht – und fand so gut wie nichts. „Die Polizei ist sehr zurückhaltend aufgetreten“, sagt Ströbele. „Das Konzept der Deeskalation ist aufgegangen.“

Ströbele kennt sie noch, die Rituale. Die Wut der Demonstranten, die Sprüche, sobald eine Uniform auftauchte: „Hopp! Hopp! Hopp! Schweine im Galopp!!“ Schnee von gestern, sagt er. Demonstranten und Polizei begriffen sich offenbar nicht mehr wie früher als Gegner, es scheine sogar eine Art Einmütigkeit zwischen den Parteien zu bestehen. „Die Polizei wird von den Demonstranten ganz anders behandelt und akzeptiert“, sagt der Grünen-Politiker. Von den früheren Aggressionen sei nichts mehr zu spüren. „Das gilt auch für die Feuerwehr.“

Viel hat sich verändert, seitdem Ströbele 1987 bei der ersten Randale dabei war. Damals riefen die Steinewerfer noch politische Parolen, dieses Mal hörte Ströbele sie singen: „Kreuzberger Nächte sind lang!“ Der Politiker hat sein Büro gewissermaßen im Epizentrum der Krawalle, Dresdner Straße. Poster hängen in dem kleinen Ladengeschäft, die Schaufenster blieben unversehrt, andere Geschäftsleute und Anwohner hatten weniger Glück: Die Randalierer fackelten 18 Autos ab und schlugen zahllose Schaufensterscheiben ein. Den Sachschaden schätzt die Polizei auf mehrere 100 000 Euro.

Ströbele hat sie beobachtet, die türkischen Jugendlichen („etwa zwischen 15 und 20“), die am Heinrichplatz durch die Menge tänzelten, noch unschlüssig, eine Bierflasche in der Hand. Sie fielen auf, die Jungs, Ärger lag in der Luft. „Macht keinen Scheiß“, wurden sie von den Umstehenden gewarnt, ließen sich laut Ströbele davon allerdings „in keiner Weise beeindrucken“.

Als der Sturm losbrach, saß Ströbele in der Oranienstraße beim Inder. Tränen traten dem Grünen in die Augen, aber nicht, weil das Essen so scharf schmeckte: Tränengas kroch unter der Ritze der Tür herein. „Als die Menge von der Polizei vor- und zurückgetrieben wurde, hat der Wirt erst einmal hektisch abgeschlossen.“

Doch Ströbele musste wieder auf die Straße. Und kaum hatte er den Bürgersteig betreten, wurde der Politiker von allen Seiten angesprochen: Schauen Sie, was die Polizei da macht! Greifen Sie ein! Schützen Sie den Umgerannten! Ströbele kennt das bereits: „Missverständnisse zwischen Polizei und Demonstranten führen oft zu neuen Eskalationen.“ Kommt ein Polizei-Trupp angestürmt, würden viele sofort eine Provokation unterstellen, ohne zu wissen, dass am anderen Ende der Straße die Autos brennen.

Ströbele wird dabei sein, am 1. Mai 2004 in Kreuzberg. Bei der Randale. Da macht sich Ströbele keine Illusionen. „Ich kenne niemanden, der auf diese Jugendlichen den entsprechenden Einfluss hätte.“
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