[Kommentare: 0]

Eklat im Bad: Muslimin musste Becken verlassen

Bademeister nahm Anstoß am Ganzkörperanzug. Migranten-Kinder lernen seltener schwimmen
Anzeige
Bild vergrößern
Der Bademeister im Schwimmbad am Sachsendamm kannte kein Pardon: Am Montag holte er die 15-jährige Hatice im Schwimmunterricht aus dem Wasser, weil sie einen Badeanzug mit langen Beinen und Ärmeln trug. Da half es auch nichts, dass das Kleidungsstück in der Türkei explizit als Badeanzug verkauft worden war. Der Schwimmunterricht war für Hatice beendet, weil der Bademeister und sein Vorgesetzter fürchteten, der Stoff des Anzugs könne sich vollsaugen und für Hatice zum Sicherheitsrisiko werden.

Der Vorfall wirft ein Licht auf die generellen Probleme mit dem Schwimmunterricht: Unzählige muslimische Mädchen bleiben ihm ganz fern, weil ihre Eltern ihnen die Teilnahme am Schwimmen verbieten. Die Folge ist, dass in den Bezirken mit vielen Migranten die Quote der Schüler, die trotz der Schwimmpflicht in der 3. Klasse das Schwimmen nicht lernen, wesentlich höher ist als in der übrigen Stadt.

Wie groß das Gefälle ist, zeigt ein Blick auf neue Zahlen der Bildungsverwaltung. Demnach liegt in Neukölln die Nichtschwimmerquote am Ende der 3. Klasse bei 26,3 Prozent und in Friedrichshain-Kreuzberg bei 27,3 Prozent. Zum Vergleich: In Pankow beträgt die Misserfolgsquote nur 5,4 Prozent, in Steglitz-Zehlendorf 6,0 Prozent.

Zwar verweist die Bildungsverwaltung darauf, dass nicht nur die Verweigerungshaltung der Migranten für die Zahlen verantwortlich ist. Es sei auch eine Frage der Qualität des Schwimmunterrichts, wenn viele Kinder das Schwimmen nicht lernten. Dennoch ist unbestritten, dass es für strenge Muslime offenbar immer noch viele Möglichkeiten gibt, ihre Töchter vom Schwimmen fernzuhalten.

Längst hat es sich unter ihnen herumgesprochen, dass sie nicht damit weiterkommen, wenn sie eine Befreiung vom Schwimmen aus religiösen Gründen beantragen. Deshalb nehmen sie Zuflucht zu ärztlichen Attesten. Wie groß die Quote derer ist, die sich auf diese Weise dauerhaft drücken, ist unbekannt, weil die Schulen diese Zahlen nicht ermitteln müssen.

Mitunter gelingt es den Schulen aber, Eltern und Schüler zur Teilnahme am Schwimmen zu überreden, indem sie sie auf die Möglichkeit verweisen, spezielle Badekleidung zu tragen. Umso ärgerlicher ist es dann, wenn Bademeister, die mit dem Thema offenbar nicht vertraut sind, die Mädchen aus dem Wasser holen.

Martin Kraschewski, Direktor von Hatices Schule, dem Robert-Blum-Gymnasium, hat sich inzwischen beim Bildungsstadtrat von Tempelhof-Schöneberg über das Verhalten der Bademeister beklagt. Alle gehen davon aus, dass es am Montag keinen weiteren Ärger geben wird, wenn Hatice in dem Anzug auftaucht. In anderen Bädern wäre Hatice die Peinlichkeit übrigens erspart geblieben: „Es ist überhaupt nicht ungewöhnlich, dass schon Drittklässlerinnen mit langen Beinkleidern schwimmen“, berichtet Klaus Schulze, Regionalleiter der Berliner Bäderbetriebe.
Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel im Tagesspiegel dazu verpassen? » Informieren | » Login

Aus anderen Ressorts

Bühne:

Das Theater und sein sozialer Wahrheitswahn
Neue Stücke werden kaum gespielt, dafür kommen echt Betroffene zu Wort.

Coming-of-Age-Manga-Comic:

Bloß nicht erwachsen werden

Soulmusiker Solomon Burke:

Jeder braucht einen zum Liebhaben

Boxen:

Wladimir Klitschko verteidigt WM-Titel
Wladimir Klitschko bleibt Weltmeister im Schwergewicht der Verbände WBO und IBF. Der 33 Jahre alte Ukrainer bezwang am Samstagabend vor rund 50.000 Zuschauern in der Düsseldorfer Esprit-Arena den US-Amerikaner Eddie Chambers durch K.o. in der zwölften Runde.

Frankfurt - Bayern 2:1:

Fünf Minuten unkonzentriert

Dortmund - Leverkusen:

Leverkusens Blackout von 15 Minuten

Kommentare [ 0 ]

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Kommentar hinzufügen Neue Community-Funktionen Richtlinien


Sie können noch Zeichen schreiben.
Kommentare werden nicht sofort angezeigt. Beachten Sie hierzu unsere Richtlinien.

Um diesen Beitrag absenden zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     
Sie haben noch keinen eigenen Account? Dann bitte
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 10 : 2 = 


Anzeige
Weitere Themen

Alle Poker-Räuber gefasst Lesezeichen hinzufügen

Von Andreas Conrad und Hannes Heine
Zwei Wochen nach dem Überfall auf ein Pokerturnier in Berlin ist auch der letzte ... mehr...

Sollen Rockervereine verboten werden? Lesezeichen hinzufügen

Von Jost Müller-Neuhof
Nach dem tödlichen Schuss eines Hells Angels auf einen Polizisten fordern ... mehr...

Frühling in Berlin Lesezeichen hinzufügen

Von Eva Kalwa
So sehnsüchtig wie dieser Frühling wurde lange keiner mehr erwartet – nach dem ... mehr...

Frische Zweierbeziehung Lesezeichen hinzufügen

Von Tanja Buntrock
Alles ist anders: Tagesspiegel-Mitarbeiterin Tanja Buntrock, seit vier Monaten ... mehr...

Wenn Lehrer schweigen Lesezeichen hinzufügen

Von Patricia Wolf
Warum bleiben Missbrauchsfälle an Schulen jahrelang unentdeckt? Weil die Täter ... mehr...
Fotostrecken

Tierbabys (74 Bilder)

Nikolaikirche (9 Bilder)

Gefährliche Hunde (9 Bilder)

Der Frühling kommt (19 Bilder)

Friedrichstraße im Wandel (8 Bilder)

Wechseljahre im Abgeordnetenhaus (7 Bilder)
Neues Klinikportal
Immer das passende Berliner Krankenhaus für eine stationäre Behandlung oder einer Krankheit finden.
Gewalttätige Biker
» ERGEBNIS ANSEHEN
---
Unser neuer Service zeigt die Aussichten in allen Bezirken
Anzeige
---
Alexanderplatz, Hertha, Mediaspree: Leserdebatten auf Tagesspiegel.de. Diskutieren Sie mit!
Anzeige