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Als Troja noch in Berlin lag

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Der Mann wusste, was er wollte: „Sorgen Sie gütigst auch für andere Orden, so viele zu kriegen sind“, schrieb Heinrich Schliemann Anfang 1881 an den Generaldirektor der Königlichen Museen Berlin. Auf Ehrungen war der vom mecklenburgischen Pfarrerssohn zum millionenschweren Kaufmann, dann zum erfolgreichen, doch umstrittenen Archäologen aufgestiegene Schliemann versessen. Da er den von ihm ausgebuddelten „Schatz des Priamos“ dem deutschen Volk schenken wollte, schienen ihm Gegengaben nur angemessen.

Wenn man heute nach der Vorführung von Petersens „Troja“ die Premierengäste ins Kronprinzenpalais bittet, wird unter den dabei beschworenen Geistern der Vergangenheit auch der des ehrgeizigen Amateurforschers sein. Das Museum für Vor- und Frühgeschichte im Langhans-Bau des Schlosses Charlottenburg wird die Party mit drei Vitrinen historisch aufrüsten, darunter in Reproduktionen Teile des Schatzes, den Schliemann dem sagenhaften König zugeschrieben hatte. Der 1822 geborene Antikenforscher gilt gemeinhin als Entdecker von Troja – eine der vielen Legenden, die ihn umranken. Hätte er 1868 nicht in Istanbul das Dampfschiff verpasst, wäre er wohl nie mit Frank Calvert, britischer und amerikanischer Konsul im osmanischen Reich, zusammengetroffen. Erst der machte ihn auf den Hügel beim Dorf Hisarlik, nahe Izmir, aufmerksam. Schliemann hatte sieben Kilometer entfernt gesucht.

Calvert musste seine Suche mangels Geld abbrechen, bei Schliemann spielte das keine Rolle. Zwischen 1870 und 1890 organisierte er sieben Grabungen. Während der dritten, am 31. Mai 1873, stieß er auf seinen berühmtesten Fund: den „Schatz des Priamos“. In der modernen Archäologie ist die Frage nach dem historischen Kern des Trojanischen Krieges, wie er in „Ilias“ und „Odyssee“ beschrieben ist, umstritten. Als gesichert gilt aber, das der von Schliemann dem greisen König zugeschriebene Schatz einer viel älteren Siedlungsschicht entstammt als das Segment des Hügels, das möglicherweise Vorlage des homerschen Troja war. Am Wert des Fundes aber besteht kein Zweifel. Schliemann hatte den Schatz heimlich außer Landes gebracht, erst nach Zahlung von 50 000 Goldfrancs an die Türkei wurde er rechtmäßiger Besitzer.

Dass die Schätze nach Berlin kamen, ist nicht zuletzt der Vermittlung von Rudolf Virchow, dem Vorsitzenden der Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, zu verdanken: Er beabsichtige, seine Sammlung „ans Berliner Museum zu verschenken unter der Bedingung, dass das Lokal, wo sie aufgestellt wird, d.h. die Säle schön und passend sind und auf immer meinen Namen tragen, was vom deutschen Parlament bestätigt werden muss“, schrieb ihm Schliemann Ende 1879. Am Ende gab es nur, am 7. Juli 1881, die Ehrenbürgerschaft von Berlin, dazu ein Schreiben des Kaisers, aber keinen Orden. Die Sammlung war schon im Frühjahr 1881 in Berlin eingetroffen, verpackt in 40 Kisten. Ausgestellt wurde sie zunächst im Kunstgewerbe-Museum, dem Martin-Gropius- Bau, und wechselte 1885 nach nebenan ins neue (im Krieg zerstörte) Museum für Völkerkunde. 1921 ging es zurück in den Gropius-Bau, nun Sitz des Museums für Vor- und Frühgeschichte.

Die vorerst letzte Berliner Station für den „Schatz des Priamos“ war der Zoobunker, im Krieg Lagerort auch dreier Kisten mit den Edelmetallfunden aus Troja. Bei Kriegsende wurden sie von der Roten Armee beschlagnahmt. Restbestände wurden 1955 in West-Berlin gezeigt, drei Jahre später erhielt die DDR Teile der Schliemann-Sammlung zurück, der „Schatz des Priamos“ blieb auf Jahrzehnte verschollen. Erst seit 1996 ist er wieder zu sehen, im Moskauer Puschkin-Museum. Zwei Jahre später erklärte die russische Duma die „Beutekunst“ völkerrechtswidrig zum Eigentum Russlands.

Über Troja, Schliemann und die Berliner Sammlung erscheint im Sommer bei Dumont ein sehr lesenswerter Führer des Museums für Vor- und Frühgeschichte, verfasst von der stv. Direktorin, Alix Hänsel.
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