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Politikverdrossen, aber das sehr munter Lothar Staeck, der frisch gekürte Spitzenkandidat der Schill-Partei

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Hier draußen, da hört Lothar Staeck die Frösche wieder quaken. So, wie es früher einmal in Lichterfelde war. Die kleine weiße Villa liegt im schattigen Garten. Der Stellplatz für die Gartenzwerge, direkt unterm Wohnzimmmerfenster, ist schon planiert. Ein Wasserlauf wird gerade angelegt, bald soll es friedlich plätschern. Wenn das nicht ein guter Grund ist, nach Mahlsdorf zu ziehen. Genauer gesagt nach Mahlsdorf-Süd und dort dann am äußersten Ortsrand. Berlin, das liegt woanders.

Berlin wie es heute ist, gefällt dem Westberliner Professor der Erziehungswissenschaften nicht mehr. Wenn Lothar Staeck einmal davon anfängt, was ihm alles nicht gefällt, dann hört man nirgendwo mehr irgend etwas plätschern. „Von nichts kommt nichts“, „Ein bisschen Autorität muss sein“, „Ist es wirklich so, dass auch noch der Letzte, der einen deutschen Schäferhund besitzt, nach Deutschland muss?“. Die Worte kommen manchmal schneller aus dem Mund gestolpert, als sie gedacht sind. Da ist der eine Gedanke noch nicht zu Ende, schon drängt der nächste nach. Da überholt der zweite Satz den ersten. Redet sich dieser politische Neuling (“ja ich bin so ein kleiner Hektiker“) im Wahlkampf nicht noch um Kopf und Kragen? Für ihn ist es eine Stärke, authentisch zu sein: “Ich sage, was ich denke, bin kein Speichellecker.“ Und meint das im Gegensatz zu den professionellen Politikern. Um zu schildern, wie er zum Spitzenkandidaten der Schillpartei in Berlin geworden ist, bemüht er das Bild „wie die Jungfrau zum Kinde“ – man ist geneigt, es ihm zu glauben.

In Lichterfelde, da hat irgendwann der Schwerverkehr ins Umland die Frösche im Teich übertönt. Christopher 31, der Rettungshubschrauber, dröhnte dann auch noch frühmorgens im Anflug auf das Klinikum Steglitz über das Staecksche Häuschen hinweg. Und das, „obwohl ein Professor wie ich doch nicht so früh aus den Federn muss“. Das Haus in Mahlsdorf, das sein Großvater 1918 für ganze 8000 Reichsmark erstanden hatte, bot einen Ausweg ins persönliche Glück. Aber Staeck, der 1944 in Papitz bei Cottbus geboren wurde und bis vor zwei Jahren in West-Berlin gelebt hat, „gefällt die ganze gesellschaftliche Gemengelage nicht“. Lothar Staeck ist politikverdrossen – und das ganz munter.

Die etablierten Parteien seien nicht mutig genug für Veränderungen. Die Gesellschaft verbürokratisiert, „das macht uns alle noch kaputt“. Mehr Geld für Bildung und für die Polizei, müssten auf die Tagesordnung. Und das „ganze Laissez-faire in der Gesellschaft“ sei schon „extrem“. Die Sätze klingen härter als Staeck selbst sie meint. Als wüßte er nicht, dass auch andere solche Sätze sagen. Mit Rechtsradikalen will er gewiss nichts zu tun haben, er sieht sich in der Mitte – wenn auch etwas rechts davon. Und die Schillpartei soll ihm jetzt eine politische Plattform sein. Denn der Professor will seine Zeit nicht mit einflusslosen Kleinstparteien vertun – Staeck will wirklich etwas verändern. Früher einmal hat der Professor die Grünen gewählt. Jetzt hofft er auf die Rechtsstaatliche Offensive. Barbara Junge
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