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Räuber hatte nur Schreckschusspistole

Das konnte der Wachmann beim Überfall in Friedrichshain aber nicht erkennen. Er erschoss den Täter
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Die beiden Männer kamen aus Hamburg und sie quartierten sich in einer Wohnung an der Karl-Marx-Allee ein. Von dort spazierten sie am späten Donnerstagabend einige Häuser weiter. Dort, vor der Hausnummer 91, hielt gerade ein Geldtransporter der Firma Brinks vor einer Sparkassenfiliale, zwei Wachmänner steigen mit je zwei Geldkoffern aus. Sie wollen, wie immer, die Automaten mit frischen Scheinen bestücken.

Doch dann kommt alles anders: Um 21.30 Uhr zieht Otto R. seine Waffe, rennt auf die beiden Wachleute zu und drückt viermal ab. Beide Brinks-Männer ziehen ihre Pistole, schießen ebenfalls, treffen den Angreifer mehrmals in die Beine und den Oberkörper. Eine Kugel zerreißt das Herz, ein Notarzt kann dem 59-Jährigen nicht helfen. Ein Pärchen, das auf dem Grünstreifen mit ihrem Hund spaziert, beobachtet, wie ein zweiter Mann zu dem am Boden liegenden geht, zu ihm spricht und „ruhigen Schrittes“ Richtung Strausberger Platz geht. Zwölf Stunden später weiß die Polizei auch wohin: Denn Otto R. hatte neben seinem Personalausweis auch ein Schlüsselbund dabei. Ein Schlüsseldienst kann die Hausnummer an der Karl-Marx-Allee nennen. Als die Polizei vormittags dort klingelt, macht Heinz-Leopold L. auf; der 64-Jährige lässt sich ohne Widerstand festnehmen.

Beide Männer haben Jahre zusammen in einem Trakt in der JVA Fuhlsbüttel verbracht, beide waren auf Bewährung vorzeitig entlassen worden, der gestern Erschossene auf den Tag genau vor einem Jahr. Der ehemalige Seemann Otto R. war im Frühjahr 2000 nach diversen Banküberfällen in Hamburg von einem Angestellten überwältigt worden und zu acht Jahren Haft verurteilt worden. L., der in Hamburg als „Millionen-Betrüger“ bekannt ist, wurde gestern im LKA vernommen. Er hatte zuletzt 2002 in Hamburg Schlagzeilen gemacht, als er bei einem Freigang verschwand. Damals wurde er wenig später eingefangen – in einem Berliner Hotel. Nach seiner Haftentlassung soll er im Frühjahr nach Friedrichshain gezogen sein, vor vier Wochen zog Knastkumpel Otto R. mit ein.

Unklar ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft, welcher der beiden Brinks- Leute den tödlichen Schuss aus etwa zehn Metern abfeuerte. Die Justiz geht von Notwehr aus, da es dunkel gewesen sei und die Schreckschusswaffe von Otto R. „täuschend echt“ ausgesehen habe. Für die vorangegangenen Überfälle (siehe Kasten rechts) auf Brinks kommen die beiden Hamburger nicht in Betracht, da sie zu dilettantisch vorgegangen seien. Es sei lebensmüde von den Tätern gewesen, die mit scharfen Waffen und schusssicheren Westen ausgerüsteten Wachleute mit einem Schreckschussrevolver anzugreifen, hieß es. Bei den anderen Brinks-Überfällen waren die Täter extrem gewalttätig vorgegangen.
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