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Immer mehr Familien melden Insolvenz an Dramatische Steigerung der Verfahren um 65 Prozent

Aufschwung hat Berlin noch nicht erreicht
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Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ist im vergangenen Jahr stark gestiegen. Nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg wurden 2006 mehr als 5100 Verfahren eröffnet, das bedeutet eine Zunahme um 65 Prozent. Die Steigerung liegt damit weit über dem Bundesdurchschnitt mit einem Anstieg von 35, 3 Prozent. Die meisten Privatinsolvenzen gab es in Spandau, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf; die wenigsten Verfahren wurden in Friedrichshain-Kreuzberg eingeleitet. Die Schulden der insolventen Haushalte lagen durchschnittlich bei 63 000 Euro; insgesamt lagen ihre Verbindlichkeiten bei 320 Millionen Euro.

Seit 2001 können auch Haushalte bei Gericht Insolvenz beantragen und sich über diesen Weg von den Schulden befreien. Nach einer Studie der Wirtschaftsauskunftei gelten in Berlin rund 240 000 Haushalte als überschuldet; sie können ihren Kreditverpflichtungen nicht nachkommen. Das entspricht einer Quote von 15,2 Prozent. Da das Insolvenzverfahren kompliziert und langwierig ist, kann nur ein Bruchteil von ihnen dieses in Anspruch nehmen. Bei der Privatinsolvenz muss ein Schuldner sechs Jahre lang den pfändbaren Teil seines Einkommens an einen Treuhänder abführen, der das Geld an die Schuldner verteilt. Schulden, die in diesem Zeitraum nicht zurückgezahlt werden können, werden anschließend erlassen. Wessen Einkommen unter der Pfändungsgrenze liegt, der muss nicht zahlen.

Ein Insolvenzverfahren ist aber beispielsweise unmöglich, wenn noch Geldstrafen aus einem Strafprozess zu bezahlen sind. Auch bei anderen Probleme beispielsweise bei Alkohol- und Drogensucht, hohen Mietschulden oder bei mangelnden Deutschkenntnissen der Betroffenen empfehlen Schuldnerberater andere Wege. Für Peter Zwegat von der Kreuzberg-Friedrichshainer Beratungsstelle Dilab erklärt dies die niedrige Verfahrensquote in Friedrichshain-Kreuzberg, obwohl dort überdurchschnittlich viele Haushalte massive finanzielle Probleme habe. Auch die gesamte Entwicklung in Berlin kommt laut Zwegat nicht überraschend. Die Zunahme bei den Verfahren sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass man im vergangenen Jahr zunächst eine Gesetzesänderung befürchtete, die die Bedingungen für die Betroffenen verschlechtern würde. Deswegen hätten die Beratungsstellen alles daran gesetzt, so viele Menschen wie möglich in das Verfahren zu bekommen. Die Gesetzesnovellierung blieb allerdings aus. Die Senatsverwaltung für Soziales bewertet deshalb den Anstieg als ein Indiz für die gute Arbeit der 21 Berliner Schuldnerberatungen, die im Vergleich zum übrigen Bundesgebiet überdurchschnittlich sei.

Hauptgrund für Überschuldung ist nach Angaben der Landesarbeitsgemeinschaft der Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen nach wie vor die hohe Arbeitslosigkeit. „Der Aufschwung hat sich bei uns noch nicht bemerkbar gemacht“, sagt Schuldnerberater Zwegat.
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