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Nostalgisch besetzt

Stadtrat Schulz verspricht den Belagerern des Bethanien einen Krisengipfel
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„Moin, Moin“ – grüßt der grüne Baustadtrat Franz Schulz, als er gestern Mittag um zwölf Uhr im Künstlerhaus Bethanien am Kreuzberger Mariannenplatz eintrifft. „Tolle Nummer“, sagt er auf die Frage, wie er es denn findet, dass das Bethanien seit Freitagabend besetzt ist. Die ehemaligen Bewohner des Projekts „Yorckstraße 59“ und ihre Sympathisanten sind kurzerhand mit ihren Schlafsäcken und Zahnbürsten in die zweite Etage „eingezogen“, die seit Ende vergangenen Jahres leer steht. Schnell fügt Schulz noch hinzu, dass es das Künstlerhaus Bethanien so, wie es jetzt ist, nie gegeben hätte, „wenn die Besetzungen Anfang der siebziger Jahre nicht gewesen wären“.

Doch die etwa 60 Aktivisten aus der zwangsgeräumten Yorckstraße 59 wollen von Schulz nicht nur Sympathiebekundungen. „Wie geht es weiter?“, ist die Frage, die sich auf den Gesichtern der zumeist im Schneidersitz posierenden Wohnprojekt-Mitglieder abzeichnet. Schulz faltet die Hände: „Geplant ist, dass sich die Stadträte des Bezirks am Montag zu einem Gespräch mit dem Projekt treffen werden“, sagt er. Bis dahin soll die Besetzung geduldet und das Haus nicht von der Polizei geräumt werden. Für dieses Versprechen bekommt Schulz Applaus.

Das Wohnprojekt „Yorckstraße 59“ war am Montag von der Polizei geräumt worden. Damit verschwand ein 16 Jahre altes Symbol der linken Szene. Nach dem Verkauf des Hauses hatten die Bewohner im vergangenen Jahr eine Mieterhöhung abgelehnt, der Eigentümer hatte daraufhin vor Gericht die Räumung durchgesetzt. Rund 1200 Sympathisanten protestierten am vergangenen Montag gegen den Polizeieinsatz.

Bei dem heutigen Gespräch wollen Schulz’ Kollegen die Bezirksbürgermeisterin Cornelia Reinauer (PDS), Finanzstadtrat Lorenz Postler (SPD), Jugendstadträtin Sigrid Klebba (SPD) und Sozialstadträtin Kerstin Bauer (PDS) zusammen mit den „Yorck 59“-Mitgliedern nach einer Lösung suchen.

Ein Sprecher des Wohnprojektes sagt: „Wir sehen das Bethanien als Zwischennutzung. Wir werden so lange bleiben, bis wir ein akzeptables Angebot haben.“ Der Bezirk hat den Bewohnern bislang drei Alternativen in Friedrichshain als Ausweichquartiere angeboten: In der Löwestraße, in der Scharnweberstraße und in der Friedenstraße. Doch alle drei Gebäude sind „stark heruntergekommen“, wie Franz Schulz zugibt. Das Haus in der Löwestraße sei beispielsweise stark von Schimmelpilzen befallen. Schulz sagt den Bewohnern auch, er sehe ein, dass „die Zeit zu kurz ist, um die Angebote sinnvoll zu überprüfen und eine solide Entscheidung zu treffen“. Am Ende lässt sich der Bundestagsabgeordnete der Grünen Hans-Christian Ströbele noch kurz blicken und auf den neuesten Stand bringen.

Um wie viel Uhr das Gespräch heute stattfindet, war gestern noch unklar. Für die Bewohner ist sowieso nur eines wichtig: Es soll hier im Bethanien sein. „Wir kochen auch Kaffee“, sagt einer aus der Runde.
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