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Aufschwung am Ostbahnhof

Baustart für die O2-World in Friedrichshain. Die Großhalle ist der Grundstein für ein ganzes Quartier – größer als der Potsdamer Platz
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Sieben Jahre Planungsphase sind zu Ende. Mit der Grundsteinlegung für die „O2-World“ genannte Multifunktionshalle gestern Mittag beginnt die Bauzeit auf der riesigen Brache zwischen Warschauer Straße und Ostbahnhof in Friedrichshain. Ein neues Stadtviertel soll entstehen, größer als die Daimler-Chrysler- City am Potsdamer Platz, mit der Halle als Mittelpunkt. Entwickelt wird das Gelände von der Anschutz Entertainment Group (AEG). Ihr Geschäftsführer Detlef Kornett bezeichnete die Grundsteinlegung als „Glückstag für Berlin“.

In gut zwei Jahren will Kornett die neue Halle eröffnen. Bis zu 17 000 Zuschauer soll sie fassen, nach seinen Angaben rund 150 Millionen Euro kosten und Heimstatt des Eishockeyclubs Eisbären werden. Der Club gehört zum Konzern des US-Milliardärs Phil Anschutz. Darüber hinaus will die AEG die Halle mit Popkonzerten und Shows füllen. 300 Veranstaltungen für die ersten drei Jahre hat Anschutz bereits garantiert.

„So kurz vor einer Wahl sind Grundsteinlegungen wunderbare Ereignisse für einen Regierenden Bürgermeister“, sagte Klaus Wowereit (SPD). Er freute sich, „dass wir in wenigen Jahren mit der Halle als Schlüsselinvestition ein großes Entertainment-Viertel haben werden“. Timothy Leiweke, Präsident der AEG, setzte noch eins drauf: „Berlin wird die Entertainment-Hauptstadt Europas.“

Bis dahin ist es ein weiter Weg. Außer der Halle sind noch keine weiteren Projekte fest verabredet. Anschutz plant direkt neben der Halle zusammen mit der Steiger-Gruppe ein insgesamt 185 Meter hohes Riesenrad zu bauen und liefert sich einen Zweikampf mit der World Wheel Holding, die ein Aussichtsrad nach dem Vorbild des London Eye am Bahnhof Zoo errichten will. Begonnen haben inzwischen auch die Bauarbeiten für den Park am Spreeufer, der auch die East Side Gallery einbinden soll. Hier entsteht ein Bootsanleger, von dem aus die Besucher des Anschutz-Areals geradewegs in die neue Halle gehen können.

Der Bau der Multifunktionshalle stand in der Vergangenheit immer wieder auf der Kippe. Anschutz hatte stets erklärt, das Projekt nur dann zu beginnen, wenn er die Namensrechte verkaufen kann. Im Frühjahr waren die Verhandlungen mit dem Mobilfunkanbieter O2 erfolgreich. Für den bis zu 15 Jahre laufenden Vertrag zahlt das Unternehmen einen dreistelligen Millionenbetrag.

Im städtebaulichen Vertrag, den Senat und Anschutz vor zweieinhalb Jahren geschlossen haben, ist von Gesamt- Baukosten von 1,5 Milliarden Euro die Rede, fast alles privat finanziert. Geplant sind neben 1200 Parkplätzen auch Büros, Wohnungen, Theater, aber vor allem auch Läden. Insgesamt 60 000 Quadratmeter Einzelhandel hat sich Anschutz zusichern lassen. Zum Vergleich: Die Potsdamer Platz Arkaden verfügen über 40 000 Quadratmeter.

Demonstranten aus dem besetzten Künstlerhaus Bethanien versuchten, die Veranstaltung zu stören, wurden aber schnell von Polizei und Sicherheitsdienst abgedrängt. Um dem Baustart für ein Entertainment-Viertel gerecht zu werden, finden sich im Grundstein für die Multifunktionshalle nicht wie üblich Zeitungen und Münzen, sondern unter anderem eine Fahne des US-Bundesstaats Kalifornien, signiert von Arnold Schwarzenegger, ein WM-Trikot, signiert von Jürgen Klinsmann, die Drehbücher von Veronica Ferres’ Rolle im Film „Checkpoint Charlie“, eine Schellack-Platte von Marlene Dietrich und das neueste UMTS-Handy.
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