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Das Wohlfühlhaus

Deutschlands erstes türkisches Altenpflegeheim eröffnet in Kreuzberg: Bisher gibt es 30 Anmeldungen
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Die Wände sind gestrichen, die Zimmer eingerichtet – fehlen nur noch die „Kunden“, wie man sie hier nennt: die bisher 30 alten Leute, die von dieser Woche an in Deutschlands erstes türkisches Altenpflegeheim, das „Türk Huzur Evi“ in Kreuzberg, einziehen werden.

Türken und türkischstämmigen Deutschen, die im Lande alt geworden sind, wolle man „ein Stück Heimat“ bieten, das dem Namen des Hauses gerecht werde, sagte der Generalsekretär der Türkischen Gemeinde Berlin, Celal Altun, bei der Präsentation am Mittwoch. „Huzur Evi“, das türkische Wort für Altenheim, bedeutet „Wohlfühlhaus“. Hier heißt das vor allem Vertrautheit: Türkische Ornamente schmücken die Wände, auf den Fluren hängen Fotos von Istanbuler Moscheen und anatolischen Landschaften, im Gebetsraum können gläubige Muslime fünfmal täglich beten, und zum Freitagsgebet kommt ein Imam.

Vor allem aber ist hier in der Methfesselstraße Türkisch die erste Sprache. Nicht nur auf den Speisekarten und den vielen Schildern, die auf Toiletten, Gemeinschaftsräume und die Zimmer der Pflegekräfte hinweisen – auch das Personal muss in erster Linie Türkisch können. Deutsch, sagt lächelnd Axel Hölzer, der Vorstandsvorsitzende der Marseille- Kliniken, die das Haus betreibt, brauche man vor allem, „weil die Angestellten ja noch Kontakt mit uns halten müssen“. Barbara John, langjährige Berliner Ausländerbeauftragte, sieht die strikt ethnische Ausrichtung des Kreuzberger Hauses nicht im Widerspruch zur Integration: „Es wäre eine naive und gedankenlose Vorstellung von Integration, wenn wir keine Kulturen mehr kennen wollten.“ Das Türk Huzur Evi sei Ausdruck einer bunten Gesellschaft.

Und es reagiert nach den Worten seiner Betreiber, der Türkischen Gemeinde Berlin und der Marseille-Kliniken, auf ein noch neues, aber wachsendes Bedürfnis: Die erste Generation türkischer Einwanderer ist alt geworden; um viele Rentner könnten sich Kinder und Verwandte aber nicht so kümmern, wie es nötig wäre, weil die jüngeren Männer und Frauen arbeiten, sagt Celal Altun. „Auch die typisch türkische Großfamilie ist von einem Wandel betroffen.“ Viele Ältere sind sogar ganz allein – ein nicht untypisches Schicksal von Arbeitsmigranten, die ihre Ursprungsfamilie oft zurückgelassen haben. Heimleiterin Nejla Kaba- Retzlaff sagt, sie habe Anfragen aus ganz Deutschland bekommen. Vor allem ältere Männer seien bereit, von weit her nach Berlin zu kommen, wenn sie ihren Lebensabend in einer türkischen Einrichtung verbringen könnten. Die Sprachprobleme, die unvollkommene Integration – „viele sind sozusagen sprachlos“, sagt Kaba-Retzlaff. Im Alter, mit zunehmender Gebrechlichkeit, werde das dramatisch, etwa wenn es darum geht, Ärzten zu beschreiben, was schmerzt.

Und noch einem Problem trägt das Kreuzberger Heim Rechnung: Deutsche über sechzig verfügen im Schnitt über 1400 Euro monatlich, Türken über rund 800 Euro. Das Türk Huzur Evi bietet deswegen Plätze für 1100 bis 1600 Euro Eigenanteil, was „eher im unteren Bereich“ liege, sagt Marseille-Chef Hölzer. Typisch türkisch sei das nicht: Die Kaufkraft der Rentner nehme insgesamt ab, „und das wird sich sicher verschärfen.“
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