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Aufruf zum Bildersturm

Die linksautonome Szene will die MoMA-Ausstellung stören – die Nationalgalerie nimmt die Drohung ernst
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Die linksautonome Szene strotzt gut zwei Wochen vor dem 1. Mai vor Selbstbewusstsein – und die Polizei sieht das mit Sorge. Selbstbewusstsein nicht nur deshalb, weil sich die verschiedenen linken Splittergruppen auf eine gemeinsame „revolutionäre“ Demo am 1. Mai geeinigt haben. Selbstbewusstsein vor allem auch, weil mit der „sozialen Frage“ ein gemeinsames Motto gefunden wurde. „Seit Jahren gab es nicht mehr so eine gute Stimmung“, berichtete ein Aktivist des neu gegründeten Bündnisses „Act“ gestern. „Wir machen was gemeinsam“ – unter anderem steht am Samstagnachmittag ein Sturm auf die MoMA-Ausstellung im autonomen Terminkalender – die Szene findet die Eintrittspreise zu hoch.

In der Neuen Nationalgalerie gibt man sich gelassen. Man werde sich nicht überraschen lassen, sagte Sprecherin Katharina von Chlebowski. „Die kommen bei uns nicht rein.“ Das Museum nehme die Drohung allerdings sehr ernst, „es geht schließlich um den guten Ruf des Museums“, hieß es. Ein erfolgreicher Sturm auf die Ausstellung hätte „verheerende Folgen“, sagte ein Experte. Deshalb ziehe man schon jetzt alle Szenarien in Erwägung. Doch auch die Polizei kennt die Ankündigungen der „Mai-Steine“ von den einschlägig bekannten Internet-Seiten. So wird am Sonnabend eine ganze Reihe von Beamten vor dem Museum warten.

Die Polizei will angesichts der angekündigten Demonstrationen zum 1. Mai am „bewährten Prinzip der ausgestreckten Hand“ festhalten. Dabei werde auch in diesem Jahr „das Einsatzmittel Sprache“ im Vordergrund stehen, sagt Einsatzleiter Jürgen Schubert. Störungen und Straftaten will die Polizei aber „schnell und konsequent“ ahnden. In den vergangenen Jahren hatten die linksextremistischen Gruppen immer jeweils eigene Demos angemeldet, im letzten Jahr verschärfte sich der Streit in der Szene so weit, dass sich einzelne Gruppen am 1. Mai gegenseitig Prügel androhten. „Das ist zum Glück vorbei“, frohlockt die Szene. Inzwischen sind alle linken Internetseiten miteinander verlinkt, die Termine der „Mai–Steine“ aufeinander abgestimmt. „Die haben sich wieder lieb“, bestätigte ein hochrangiger Polizeibeamter die Verbrüderung der Szene.

Die Polizei befürchtet, dass sich das neue Bündnis „Act“ profilieren werde – und deshalb militanter vorgehe als in den Vorjahren. Wie berichtet, hat die Szene etwa ein Dutzend Aktionen bis zum Mai-Wochenende angekündigt – die erste gestern Nachmittag allerdings verlief harmlos. Auf dem Hermannplatz wurde ein „Festbankett“ aufgebaut, Obdachlose und Neuköllner eingeladen zu Schnittchen, Salat, Bier und sogar Schampus. Die Polizei hatte befürchtet, dass die Lebensmittel vorher geplündert werden könnten, deshalb wurden Karstadt und McDonald’s scharf bewacht. Aber der „Luxus für alle“ wurde mitgebracht. Mit einer ganzen Reihe von Aktionen muss die BVG rechnen, der Protest gegen die jüngste Fahrpreiserhöhung wird mit der Forderung nach einem „Nulltarif für alle“ beantwortet. Eine Demonstration mit dem Titel „Der BVG die Zähne zeigen“ beginnt am Sonnabend um 16 Uhr.

Am Montagabend gelang es einer Gruppe junger Leute, das Berliner Ensemble zu stürmen, dort wurde der Schauspieler Norbert Stöß angegriffen, der gerade vom Balkon zum Schiffbauerdamm hin Nazi-Texte über Megaphon verlas. Dies gehört zur Aufführung von Brechts „Arturo Ui“. Erst der Polizei gelang es, die Störer abzudrängen. Da es seit 1995 immer wieder Störungen dieser Ui-Aufführung gab, sollte die Polizei eigentlich immer präsent sein. Doch von der Aufführung am Montag wussten die Beamten nichts, angeblich weil sie das Programmheft nicht bekommen hatten.
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