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Streit um Software-Chaos in Bürgerämtern

Landesamt und Behörde in Mitte beschuldigen sich gegenseitig – und geloben bald kürzere Wartezeiten
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Die Computer in den Bürgerämtern sind jetzt mit zeitgemäßen Programmen ausgestattet, alles soll schneller und einfacher gehen; doch die Wartezeiten haben sich teilweise verdoppelt. Für das vorübergehende Chaos hat das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (Labo) einige Bezirksämter verantwortlich gemacht: „Etwa die Hälfte der Ämter hat von Anfang an gut mitgezogen und sich auf die Umstellung vorbereitet. Die haben jetzt ein paar Probleme weniger als jene, die das versäumt haben“, sagte der Direktor des Labo, Dietmar Wisotzky.

Welche Bezirke er mit seiner Kritik meint, wollte Wisotzky nicht sagen. Zugleich wird aber deutlich, dass er sich unter anderem über das Bürgeramt im Bezirk Mitte ärgert. Dessen Chef, Ronald Schäfer, hatte am Mittwoch eine Pressemitteilung herausgegeben. Der Inhalt, sinngemäß: Wer nicht sehr Dringendes auf dem Amt zu erledigen habe, möge den Besuch doch bitte aufschieben – um nicht noch mehr Chaos zu verursachen. Darauf angesprochen, sagte Wisotzky: „Die Wartezeiten sind gestiegen, keine Frage.“ Dass sie aber allein durch die Software-Umstellung von eineinhalb auf plötzlich vier Stunden gestiegen sein sollten, will Wisotzky nicht glauben. „Da kann es sein, dass einige Ämter Gründe vorschieben.“ Unsinn, kontert Amtschef Schäfer: „Wie sehr mangelnde Routine mit einer neuen Software den regulären Betrieb aufhalten kann, kann Herr Wisotzky gar nicht beurteilen.“ Zudem sei sein Amt kürzlich noch vom Labo für seine Vorbereitung gelobt worden.

Eines der Ämter, die Labo-Chef Wisotzky ausdrücklich als Positivbeispiel nannte, ist das Bürgeramt in Charlottenburg-Wilmersdorf. Allerdings gab auch dessen Leiterin, Mechthild Bloch, gestern zu, dass es durchaus noch Probleme mit der neuen Software gibt. „Die Mitarbeiter wurden geschult und hatten Gelegenheit zu Trainings. Die Realität ist jedoch etwas anderes als Übungen außerhalb der Öffnungszeiten“, sagte sie. Bloch sprach, wie zuvor schon Kollegen in anderen Bürgerämtern, von einer Verdopplung der Bearbeitungszeiten durch die Umstellung. „Dass die daraus resultierenden Verzögerungen an den Nerven der Kunden zerren, verkennen wir nicht.“ Es würde aber bald besser laufen, versprach sie.

Darin zumindest sind sich das Landesamt und die Bürgerämter einig. Denn, so heißt es übereinstimmend, die Software sei gut. Sollte sie auch. Denn die Berliner Bürgerämter stehen vor der nächsten Herausforderung: Spätestens Mitte Dezember soll der neue Pass mit biometrischen Daten ausgegeben werden. Für 59 Euro. Weil sich viele Berliner das Geld sparen wollen, so heißt es aus dem Labo, beantragen sie schnell noch einen neuen alten Pass. Doppelt so viele wie sonst.
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