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Die Wanne läuft voll gut

Gestern wurden drei der berühmten Polizeiwagen versteigert. Die kriegt man nicht kaputt, sagen Kenner
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Berlin – Die 150 Stühle im Saal reichen längst nicht. Vielleicht 300 Menschen sind an diesem Donnerstagmorgen ins Auktionshaus Karner gekommen, das sich zwischen Schrotthändlern und Schraubern in einer Schöneberger Sackgasse versteckt. Vor allem Autos werden versteigert: ausgemusterte VW-Busse der Wasserbetriebe, kleinere Lastwagen und – drei „Wannen“ der Polizei, legendär wie der Kreuzberger 1. Mai. Einer, ein Bus für mindestens 20 Mann, Modell 608 D, sieht noch ganz passabel aus. Den anderen beiden, die auf dem Hof parken, sind die Spuren vergangener Kämpfe anzusehen: notdürftig überlackierte Beulen von Pflasterstein-Einschlägen. Alle haben noch die Haken von den Schutzgittern vor den Scheiben und Stümpfe von den abmontierten Blaulichtern auf dem Dach. Einer hat einen Motorschaden, beim anderen ist die Batterie leer. Schlachtrösser mit Herzstillstand. „Besondere Belastung: Einsatztraining“, steht auf einem Zettel in der Scheibe.

168 Wannen hatte die Berliner Polizei Anfang 2005 noch im Dienst. In diesem Jahr werden 14 Stück versteigert, eines Tages werden alle ausrangiert und unters Volk gebracht sein. Besser gesagt: unter die Völker, denn manches Exemplar ging schon nach Osteuropa oder Afrika. Genügsam, robust, langlebig – das zählt.

„Sie ersteigern sämtliche Gegenstände so wie besichtigt, ohne jegliche Garantieansprüche!“, ruft der Auktionator in die Menge, in der viele ausländische Autohändler sitzen. Dann ruft er die Wanne mit Motorschaden auf. Mindestgebot: null Euro. „Zweihundert!“, ruft einer. Ein anderer bietet 300, irgendwer 400, dann hebt ein bärtiger Brillenträger etwas abseits die Hand: 500 – zum Ersten, Zweiten, Dritten, klonk! Den langen Bus ergattert jemand anderes für 3800 Euro; das dritte Exemplar sichert sich nach einem kurzen Bieter-Feuerwerk wieder der Bartträger – für 2300 Euro plus Provision und Steuern.

Der Mann geht zur Kasse. Gerhard Wörner heißt er, ist 61 Jahre alt, Lehrer, er schwäbelt ein bisschen. „Ich möcht’s umbauen als Campingfahrzeug“, erzählt er. Das bessere Exemplar will er behalten, das andere weiterverkaufen. Ideologisch-nostalgische Gründe habe sein Kauf nicht. Die alten 3,5-Liter-Mercedes-Diesel seien unverwüstlich und das Auto mit Tempo 95 schnell genug, „um gemütlich in den Urlaub zu fahren“.

Vielleicht hätte sich Wörner vorher mal mit Carsten Hoenig über die Tücken der Wanne unterhalten sollen. Hoenig hat nämlich sein vor Monaten ersteigertes Exemplar nicht als Wohnmobil zulassen dürfen. Nur „Sonder-Kfz Büro“ ging. Hoenig ist Anwalt; im Winter parkt er die Wanne als Werbung für seine Kreuzberger Kanzlei in der Gegend um den Kotti. „Im Sommer ist es einfach ein Gag, mit offenen Schiebetüren durch Kreuzberg zu fahren“, sagt er. Über seine wilden Jugendjahre erzählt der 50-jährige Wahl- Kreuzberger wenig. Nur so viel: Er habe mit seiner Freundin in den 80ern „viel Gerhard Seyfried gelesen und gelacht“.

Selbst bei der Polizei reden sie von „Seyfried-Wannen“. Der Kreuzberger Comiczeichner hat die „Gruppenkraftwagen“, kurz GruKW, in vielen Büchern verewigt. Mercedes baut das Modell nicht mehr. „Das ist unser Problem“, sagt ein Beamter wehmütig. Vor allem die Hecktür war ein Riesenvorteil, „weil man den Wagen als Schutz hatte“. Außerdem war man blitzschnell raus, denn man saß längs auf Bänken wie in der U-Bahn. Dass bei einer Bremsung alle dem Ersten auf den Schoß fielen, ist eine andere Geschichte. Jetzt wird im Renault oder Fiat zur Schlacht gereist und schön der Reihe nach seitlich ausgestiegen.

Auch die „Bundesgruppenwagen“ der teilweise in Berlin eingesetzten, vom Bund finanzierten Bereitschaftspolizei ähneln den „Wannen“ nur äußerlich: keine Hecktür und wegen ihrer Länge sehr unhandlich. „Die Alten waren uns wesentlich sympathischer“, heißt es bei der Polizei. Die Alten: Sie werden weiterleben mit ihren Blaulicht-Stümpfen und der halbherzig überpinselten „Polizei“- Schrift. „Die Dinger kriegste nicht kaputt“, versichern Kenner.
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