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Oberstaatsanwalt am Potsdamer Platz attackiert

Jürgen Heinke ist bekannt für harte Anklagen gegen Mai-Randalierer und Extremisten – jetzt schlug ihn ein Unbekannter nieder
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Der linke Arm steckt bis zum Ellbogen in Gips, am linken Bein ist Haut abgeschürft, die Kopfschmerzen werden durch Tabletten unterdrückt – der Chef der Politischen Abteilung der Berliner Staatsanwaltschaft, Jürgen Heinke, ist am Sonnabend Opfer eines offenbar gezielten Angriffs geworden. Er sei am Nachmittag über den Potsdamer Platz geschlendert, als gegen 15 Uhr 30 plötzlich ein Unbekannter von hinten zugeschlagen habe, sagte der Oberstaatsanwalt gestern und bestätigte damit einen Hinweis, den der Tagesspiegel aus Sicherheitskreisen bekommen hatte. „Ich bin mit meinem linken Arm auf die Steinplatten gestürzt und lag dann benommen am Boden“, sagte Heinke. Dass ihn jemand aus Versehen getroffen habe, sei unwahrscheinlich. „Dafür war der Schlag viel zu heftig.“ Etwas anderes als einen gezielten Überfall könne er sich kaum vorstellen, sagte der 58-jährige Oberstaatsanwalt, der sich durch die hartnäckige Verfolgung von 1.-Mai-Randalierern und Extremisten jeder Couleur einen Namen gemacht hat.

Die Abteilung Staatsschutz im Landeskriminalamt ermittelt jetzt gegen Unbekannt wegen gefährlicher Körperverletzung. Heinke selbst konnte nach dem wuchtigen Schlag, der ihn unterhalb der Schultern traf, nur verschwommen einen Radfahrer wahrnehmen. Einen Zusammenstoß hält der Oberstaatsanwalt für unwahrscheinlich, „dann hätte der neben mir auf dem Boden gelegen“. Es sei eher möglich, dass der Radfahrer ihn erkannt haben könnte und zuschlug oder trat, sagte Heinke, der seit 1998 die Politische Abteilung leitet.

Am Freitag erst hatte er im Prozess gegen einen Randalierer aus der Nacht zum 1. Mai zweieinhalb Jahre Haft gefordert. Das Schöffengericht sprach dann ein hartes Urteil: Es verurteilte den 29-Jährigen, der im Mauerpark Flaschen auf Polizisten geworfen hatte, zu zwei Jahren – ohne die Strafe zur Bewährung auszusetzen. Heinke: „Ich kann mir schon vorstellen, dass jemand aus dem Randalierermilieu oder auch ein Rechtsradikaler gemeint hat, er müsse mir einen Denkzettel verpassen.“

Nach dem Schlag habe ihm niemand geholfen, sagte der Oberstaatsanwalt. „Ich habe mich berappelt, aber mein linker Arm war wie gelähmt.“ Er sei zu seinem Wagen gegangen und, notdürftig mit dem rechten Arm steuernd, zur Charité gefahren. Dort wurde Heinke drei Stunden behandelt. Trotz der Verletzungen blieb er im Dienst. Die vielen Verfahren zum 1. Mai sollten weiterhin zügig erledigt werden, sagte Heinke. Außerdem sei vor kurzem aus seiner Abteilung ein Staatsanwalt abgezogen worden. Schon vor dem Angriff seien die zahllosen politischen Verfahren nur mit größter Mühe zu bewältigen gewesen, betonte der Oberstaatsanwalt.

In den letzten Jahren ist Heinke mehrmals von Extremisten angefeindet worden, Angriffe blieben jedoch aus. Ein anderer Staatsanwalt erlebte vor einigen Jahren eine böse Überraschung: Ein Straftäter stürmte in sein Büro – und warf einen Stein. Dieser Staatsanwalt hatte Glück und blieb unverletzt.
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