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Ein Speicher voller Kleider

In einer Lagerhalle im Osthafen entsteht ein neues Modezentrum – aber nur für professionelle Einkäufer
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Der Osthafen ist in Mode – das zeigen Ansiedlungen wie Universal und MTV. Aber, dass die Mode auch im Osthafen ist, muss sich erst herumsprechen. Noch wirkt es merkwürdig, in einer umgebauten Lagerhalle, neuerdings mit gläsernen Pavillons erweitert, volle Kleiderständer zu sehen, mit schickem Zwirn, beispielsweise von Hugo Boss. Die Bauarbeiter, die vor den Fenstern zwischen Sandbergen und Steinbergen herumlaufen, haben für die Hemden und Anzüge kein Auge. Auch zum Schaufensterbummeln kommt hier, an der Stralauer Allee, kaum ein Passant vorbei. Für normale Kunden sind die „Showrooms“ am Hafen nicht gerade der attraktivste Standort.

Aber das macht Stefan Sihler, dem Geschäftsführer des Modezentrums „Labels Berlin“, nichts aus. Hier wollen zwar bekannte Modefirmen wie Hugo Boss, Marc Cain und Orwell ihre Kollektionen vorstellen – doch nur für Einkäufer des Handels. Hier werden also die Kleider geordert, die später in den Läden verkauft werden. Die denkmalgeschützte Lagerhalle soll dauerhaft zu einer Mode-Ausstellung für Fachleute werden. Sihler verhandelt gerade mit der achten Modefirma, die hier einziehen will.

Ohne großes öffentliches Aufsehen hat hier die Arbeit begonnen. Weil das Drumherum, der geplante Uferweg, die Beleuchtung oder auch das nötige Grün noch nicht fertig sind, wird die offizielle Eröffnung vermutlich erst im nächsten Frühjahr sein. Die Hafen- und Lagergesellschaft Behala gestaltet die Außenanlagen, will den Hafencharakter erhalten.

„Labels Berlin“ hat in dieser Hafenlandschaft schon Form angenommen, die Firmen führen bereits vor, bei den Einkäufern beginnt sich die Adresse herumzusprechen. Ist die neue Nutzung des Speichergebäudes von 1915, in dem einst Lebensmittel und Schüttgut lagerten, von außen kaum zu bemerken, so fallen doch die drei gläsernen Pavillons an der Spreeseite auf. Sihler spricht von einer Gesamtinvestition von 20 Millionen Euro, und davon, bald auch das östliche Nachbargrundstück bebauen und in sein Modezentrum einbeziehen zu wollen. Das Modehaus ist auf Zuwachs eingerichtet, denn Sihler glaubt an Berlin als führenden Handelsplatz des Modegroßhandels – mittelfristig.

Sein hergerichtetes Lagergebäude ist übrigens ein „Zwillingsbruder“ des alten Speichers, den der Musikkanal MTV auf der Westseite umbaute. Über 6000 Quadratmeter bietet das Backsteingebäude, innen blieb alles fast beim Alten. Allerdings stießen die Glaswürfel davor, wie berichtet, auf anfängliche Bedenken beim Denkmalamt. Ihre Form soll an die in Häfen üblichen Container erinnern.

Das Gelände hat noch immer Hafenatmosphäre, anstatt früherer Frachtschiffe ankern Party- und Badeschiffe. Auf dem Gelände mit dem fast zwei Kilometer langen, verwilderten Uferstreifen künden noch Schienenreste vom früheren großen Umschlagplatz für Ost-Berliner Großbaustellen. Und die wenigen Passanten stoßen noch auf Schilder mit dem Hinweis: „Hier gilt die Hafenbetriebsordnung.“
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