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200 Betrunkene randalieren nachts in der S-Bahn

Personen aus der linken Szene trafen sich zum „Ring-Saufen“ – und warfen Steine auf die Polizei
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Vor gut zwei Jahren hatte es begonnen, das „Ring-Saufen“: Auf einem S-Bahnhof treffen sich Partygänger, an jeder Station steigen sie aus und trinken ein Bier in der Bahnhofs-Kneipe – das ganze möglichst einmal rundherum um den S-Bahn-Ring. In der Nacht zu Sonntag jedoch eskalierte die Situation in der S-Bahn.

Polizisten wurden von knapp 200 Personen mit Flaschen beworfen, Züge beschädigt und Notbremsen gezogen. In einem Wettrennen mit einem fahrenden Zug fuhren schließlich Hundertschaften der Polizei zum S-Bahnhof Ostkreuz, wo eine Stunde nach Mitternacht die Menge zerstreut werden konnte. Hintergrund der Eskalation ist offensichtlich, dass nicht mehr nur in Partygänger-Magazinen für das so genannte Ring-Saufen geworben wird, sondern auch auf linksradikalen Internetseiten wie „Stressfaktor“ und „Indymedia“.

Das nächtliche Protokoll der Polizei sieht so aus: Um 22 Uhr sammeln sich fast 200 Personen auf dem S-Bahnhof Halensee, um 22.06 Uhr steigen sie in den Zug Richtung Schöneberg mit Musikanlage und Sechserpacks Bier im Gepäck. Da die Bundespolizei – die auch Bahnpolizei ist – zuvor einen Tipp bekommen hatte, ist sie mit 50 Beamten im Einsatz. Um 22.45 Uhr muss sie die Berliner Polizei zur Unterstützung anfordern. Diese fährt zum Bahnhof Gesundbrunnen, weil dort einer der alkoholisierten Teilnehmer zuvor die Notbremse gezogen hatte. Auf den Bahnsteigen fliegen ab 23.35 Uhr Flaschen auf Polizisten und andere Züge, Betrunkene rennen über die Gleise. Um 23.47 Uhr steigt eine Menge von 160 Personen in einen Zug Richtung Ostkreuz, begleitet von einer Einsatzhundertschaft. Bis dahin hat die Polizei noch von „Happening-Charakter“ gesprochen, von da an jedoch sei die Stimmung zunehmend „aggressiv“ geworden. Die Polizei fährt schließlich nach Ostkreuz, wo sie um 0.10 Uhr eintrifft und somit sechs Minuten vor der Bahn. Bei der Ankunft des Zuges fliegen erneut Flaschen. Um 0.35 Uhr leisten noch „50 Personen aus dem linken Spektrum“ Widerstand, die Polizei setzt Schlagstöcke ein und kann die Lage um 0.55 Uhr beruhigen. Nur von wenigen Tätern können die Personalien festgestellt werden, die Polizei schreibt Anzeigen wegen Landfriedensbruch, Beleidigung und Körperverletzung. Nach S-Bahn-Angaben hatte es nach dem friedlichen Auftakt 2003 zuletzt viele Monate kein „Ring-Saufen“ gegeben. Erstmals sei es in Randale umgeschlagen.
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