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Der Protest soll richtig sitzen

In Kreuzberg trainierten G-8-Gegner am Sonnabend friedliche Blockaden. Doch auch die Serie von Brandanschlägen reißt nicht ab
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Gegner des G-8-Gipfeltreffens proben den gewaltfreien Widerstand. Rund 150 Menschen nehmen am Samstagnachmittag an einer sogenannten „Blockade-Übung“ im Görlitzer Park in Kreuzberg teil. Die Polizei hält Abstand, nur einige Beamte in Zivil beobachten das Treiben aus einiger Entfernung.

Auf dem Rasen, der von Pappbechern und Plastikflaschen übersät ist, macht Oliver Powalla den Protestlehrer, „Aktionstrainer“ nennt er sich: „Also Leute, folgende Situation: Ihr seid in Heiligendamm von der Polizei eingekesselt und man bietet euch an, nur eure Personalien aufzunehmen, wenn ihr den Kessel einzeln verlasst. Ihr habt fünf Minuten Zeit, um das in eurer Bezugsgruppe zu entscheiden.“ Powalla wischt sich den Schweiß von der Stirn und nimmt einen Schluck aus der Wasserflasche. Der eher zierliche Student der Soziologie und Psychologie steht in Jeans und gestreiftem Pullover vor seiner Gruppe. An seiner weißen Schirmmütze hopst ein blaues Anti-G-8-Schild fröhlich auf und nieder.

Manche seiner meist jungen Schüler haben schon Erfahrungen. Für andere ist alles neu. Ein junger Mann mit Hansa-Rostock-Käppi und Anti-Nazisymbolen will seinen Namen nicht sagen. Aber gelernt, betont er, habe er schon eine ganze Menge. Die „Zehn-Finger-Taktik“ zum Beispiel, die man anwendet, um eine Polizeikette zu überwinden: Man geht in einer ziemlich großen und dichten Gruppe auf die Beamten los, splittet sich dann auf und versucht, einzeln durchzukommen – oder so ähnlich. „Die Polizei kann dann nie und nimmer jeden erwischen“, sagt Rafael Kosfeld, einer der Organisatoren der von der linken Szene veranstalteten Übung für den G-8-Gipfel. Die Teilnehmer sollten „effektives Blockieren“ lernen, wie Tim Laumeyer, Sprecher der „Kampagne Block G 8“ sagte.

Die Polizeiführung hat sich für Zurückhaltung entschieden. Am vergangenen Wochenende hatten Polizisten ein ähnliches Training gestoppt und die Personalien von 20 Teilnehmern aufgenommen. Am folgenden Tag hatte sich die Polizei dafür entschuldigt und mitgeteilt, dass „ein solches Training nicht strafbar ist“.

Protest-Aktivist Laumeyer sagt, dass bislang bundesweit etwa 200 derartige Übungen organisiert wurden. Die Kampagne hofft, dass sich tausende Menschen bereit finden, „mit ihren Körpern aktiv die Straßen zu blockieren“. Die Entscheidung, wo blockiert werden soll, falle kurzfristig. In einem großen Camp, das bereits ab dem 1. Juni in Heiligendamm eingerichtet werde, seien dann täglich Schulungen und Trainings geplant.

Doch nicht nur gewaltfreier Protest wird vorbereitet. Auch die Serie der nächtlichen Brandstiftungen setzt sich fort. Die Ermittler des für politische Delikte zuständigen Polizeilichen Staatsschutzes gehen davon aus, dass militante G-8-Gegner dafür verantwortlich sind. Unbekannte zündeten Sonnabend früh gegen 4 Uhr in der Finowstraße in Friedrichshain einen 5er-BMW an, gegen 5.30 Uhr brannte in der Niemann- Ecke Revaler Straße im selben Stadtteil ein Fahrzeug der Deutschen Telekom. Beide Wagen wurden stark beschädigt. Teure Autos sollte man derzeit besser nicht in Kreuzberg und Friedrichshain abstellen, sagt ein Beamter, die meisten der in diesem Jahr angezündeten 50 Fahrzeuge brannten in diesen Bezirken. Auffällig oft sind Firmenfahrzeuge von Telekom, Bahn und Siemens Ziel von Anschlägen.
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