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Der Angst aus dem Weg gehen

Menschenrechtler warnen ausländische WM-Gäste vor gefährlichen Orten im Osten der Stadt
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Noch 49 Tage bis zur Fußball-Weltmeisterschaft, dann will sich Berlin seinen Gästen von seiner besten Seite präsentieren, als weltoffene und tolerante Hauptstadt. Doch für Schwarzafrikaner, die in Berlin leben, ist die Mauer noch nicht gefallen, für sie ist die Stadt geteilt. In Gegenden, in die man gehen kann (West), und diejenigen, die man meidet (Ost): In einem dramatischen Appell haben die Internationale Liga für Menschenrechte und der Afrikarat am Donnerstag dazu aufgerufen, die rassistische Gewalt gegen Menschen afrikanischer Herkunft „endlich ernst zu nehmen“ und angeprangert, dass es in Berlin und Brandenburg „No-go-Areas“ gebe, Gegenden, in die Farbige nicht gehen sollten. Der Afrikarat ist ein Dachverband von 25 Vereinen in Berlin.

Anlass des Aufrufs ist der Anschlag auf den 37-jährigen Potsdamer Ermyas M. vom Ostersonntag. Im Grunde sei der gesamte Osten riskantes Terrain, sagte der Ratsvorsitzende Moctar Kamara. Besonders hervorgehoben wurden Köpenick, Sitz der NPD-Zentrale, Marzahn-Hellersdorf oder der S-Bahnhof Lichtenberg. Freweyni Habtemariam aus dem Ratsvorstand berichtete von einer Tagung in Potsdam, wo die Polizei zum Schutz der teilnehmenden Afrikaner bestellt worden sei. Viele Schwarze, so die Einschätzung des Rates, hätten Angst. Sie fühlten sich in Deutschland „zu Gast bei Feinden“, sagte Kamara mit Blick auf das Motto der WM. Um Fußballfans, die aus Afrika oder Südamerika anreisen, vor den Gefahren zu warnen, plant der Afrikarat eine Broschüre, in der für alle WM-Austragungsorte die „No-go-Areas“ eingetragen werden, darunter auch „einige Stadtteile von Potsdam“, so Kamara. Ein Plan, der in der Politik, bei der Polizei und auch beim Flüchtlingsverband auf Kritik stößt.

Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sagte, dass er gut verstehen könne, wenn nach dem Anschlag auf Ermyas M. Angst aufkomme. Es gebe aber keine „generelle Gefährdung für bestimmte Bevölkerungsgruppen in bestimmten Gebieten“. Rechtsextremistische oder rassistische Überfalle seien schlimme Einzeltaten, die mit allem Nachdruck verfolgt würden.

Der CDU-Innenexperte Frank Henkel nannte eine derartige Broschüre „groben Unfug“ und warf dem Afrika-Rat Panikmache vor, wenn er ganze Gegenden pauschal für gefährlich erkläre. Berlin sei eine liberale und weltoffene Stadt, sagte Henkel, bemerkte aber auch, dass Berlin als „Hauptstadt der Kriminalität“ auch keineswegs als sicher zu bezeichnen sei.

Auch Bianca Koch von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) hält die Stigmatisierung bestimmter Gegenden für kontraproduktiv. Es gelte vielmehr, den Rechtsextremisten oder Rassisten keine Räume zu überlassen. Von No-go-Areas will auch Bianca Koch nicht sprechen, wohl aber von „Angsträumen“. Zu denen gehöre auch der S-Bahnhof Schöneweide. Deshalb habe das MBR dort mit Bürgerfesten für Zivilcourage geworben.

Insgesamt treten fünf Mannschaften aus Afrika und sieben aus Süd- und Mittelamerika bei der WM an. Sollten anreisende Fans noch einen alten Dumont-Reiseführer im Regal haben, lesen sie darin übrigens: „Die S-Bahn östlich vom Ostkreuz nachts wegen Überfällen meiden.“
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