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Für die Polizei ist Angela Merkel die Nummer eins

Im Funkverkehr tragen die Regierungschefs Zahlen Hotels in Mitte sind schon seit gestern abgeriegelt
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Die 26 Staatsgäste und ihre Gastgeberin Angela Merkel sind für die Berliner Polizei nur Nummern – zumindest, was Sicherheitsaspekte betrifft. Zur Vereinfachung im Funkverkehr wurden den Regierungschefs und ihren Kolonnen Zahlen zugeordnet. Deutschland ist, da Inhaber der Ratspräsidentschaft, die Nummer eins, Jacques Chirac die Nummer zwei, der finnische Ministerpräsident Matti Vanhanen ist Letzter auf der Liste, seine Fahrzeugkolonne hat die Nummer 27. Eine Logik in der Nummerierung ist nicht zu erkennen, „das ging wohl nach Anmeldung“, scherzte ein Beamter.

Bei der Berliner Polizei managt Michael Krömer den Einsatz im Dienste der EU-Ratspräsidentschaft. „26 Staatsbesuche auf einmal, das ist schon ungewöhnlich“, sagte der Beamte während eines Kontrollgangs gestern Mittag am Pariser Platz. Das Hotel Adlon war von grün uniformierten Beamten umstellt und abgeriegelt. Touristen konnten zwar immer noch ungehindert zwischen den zahlreichen Staatskarossen und Polizeiautos hindurch über den Platz schlendern. Doch für Autofahrer sah es Unter den Linden schon weit schlechter aus.

Das Organisationskomitee hat alle Gäste in wenigen Hotels in Mitte untergebracht, um die Wege der Fahrzeugkolonnen möglichst kurz zu halten. Selbst das „Interconti“ am Zoo, das sonst als sicherstes Hotel gepriesen wird, ging beim EU-Gipfel leer aus – zu weit weg. Der mit Gefährdungsstufe zwei am stärksten bewachte Staatsgast, der Brite Tony Blair, wohnt als Nummer 24 im Herzen der Sicherheitszone, im neuen „Hotel de Rome“ am Bebelplatz. So sind seine Wege am kürzesten. Denn gegenüber, im Deutschen Historischen Museum, wird heute Vormittag der eigentliche Festakt zur Gründung der EU vor 50 Jahren stattfinden, das Mittagessen wird im Hotel de Rome eingenommen. Alle übrigen Gäste haben die Gefährdungsstufe drei.

Etwa 2500 Polizisten waren gestern im Einsatz, heute sollen es mehr als 5000 sein. In Mitte werden an jeder Kreuzung Polizisten stehen, die Linden als zentrale EU-Meile werden immer dann abgeriegelt, wenn die Regierungschefs unterwegs sind. Auch die Gottesdienstbesucher der Hedwigs-Kathedrale müssen heute den Hintereingang benutzen, der Bebelplatz bleibt gesperrt.

Nach den Regierungschefs von Malta und Estland, die bereits am Freitag eintrafen, landeten die meisten Staatsgäste gestern im militärischen Teil von Tegel. Den Anfang machte der slowenische Präsident Janez Jansa, dann ging es Schlag auf Schlag: Um 15.50 Uhr kam Blair. Eine ganz eigene Anfahrt wählte Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker, er landete auf dem Flughafen Tempelhof. Empfangen wurden die Repräsentanten der EU-Länder am späten Nachmittag von Kanzlerin Angela Merkel in der Philharmonie, anschließend stand ein kurzes Konzert auf dem Programm, abends sollten die 27 von Präsident Köhler im Schloss Bellevue empfangen werden.

Heute finden alle Termine in Mitte statt, ein Bad in der Menge ist nicht vorgesehen. Möglicherweise wird man die Regierungschefs um 11.45 Uhr beobachten können, wenn sie über den Bebelplatz gehen, oder zuvor beim „Familienfoto“ am Brandenburger Tor.

Auf Abstand gehalten werden die Teilnehmer der Anti-EU-Demo, die um 13 Uhr am Alexanderplatz starten soll. Mehrere tausend Teilnehmer aus dem linken Spektrum dürfen auf der Friedrichstraße nur bis zur Weidendammer Brücke. Das Verwaltungsgericht bestätigte diese Entscheidung der Polizei. Anzeichen für mögliche Krawalle gab es schon: In der Nacht zu Sonnabend zündeten Unbekannte in Mitte ein EU-Infomobil an. Der Wagen brannte aus.
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