[Kommentare: 0]

Fast vier Jahre Haft für Mai-Randalierer

29-jähriger Pole schmiss in Kreuzberg Steine auf Polizisten und kassierte dafür das bisher härteste Krawall-Urteil
Anzeige
Bild vergrößern
Er warf Steine auf Polizisten, trat bei der Festnahme um sich und beschimpfte Beamte als „Nazischweine“. Wojciech M. (29) tobte bei den jüngsten Maikrawallen in Kreuzberg wie ein Berserker, mehrere Polizisten wurden verletzt. Nun bekam M. zu spüren, wie sehr die Justiz von dem alljährlichen Randaleritual genervt ist. Das Amtsgericht Tiergarten verurteilte den Polen gestern zu drei Jahren und zehn Monaten Haft – eine härtere Strafe für Mai-Chaoten gab es 2003 bisher nicht.

Für das Gericht ist Wojciech M. gleich mehrfach schuldig: Schwerer Landfriedensbruch, schwerer Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, gefährliche Körperverletzung, Beleidigung. Der in Berlin lebende Mann akzeptierte das Urteil, das damit rechtskräftig ist.

Es war gegen 21 Uhr am Abend des 1. Mai, als Wojciech M. in Kreuzberg nahe dem Mariannenplatz ausrastete. Er schleuderte drei Steine auf die Polizei und traf einen Beamten an der rechten Hand. Als mehrere Polizisten M. festnehmen wollten, brüllte er beleidigende und obszöne Sprüche und keilte derart aus, dass drei Beamte trotz ihrer Schutzkleidung Blutergüsse bekamen. Die Polizisten zwangen den Mann zu Boden, dabei wurde M. im Gesicht leicht verletzt. Tags darauf begann die Untersuchungshaft.

Das Amtsgericht verschonte den Mann gestern zunächst von weiterer Haft, doch muss er die Strafe in wenigen Tagen antreten. Das Risiko, Wojciech M. könnte sich nach Polen absetzen, hält die Justiz offenbar für gering. Der arbeitslose, allerdings auch wegen Körperverletzung vorbestrafte M. hat in Berlin eine Familie mit zwei kleinen Kindern.

Dass Polen bei den Krawallen mitmischen, scheint nicht ungewöhnlich zu sein. Bei der Staatsanwaltschaft heißt es, in den vergangenen Jahren seien regelmäßig am 1. Mai einige Polen festgenommen worden.

Die Justiz ist in diesem Jahr offenkundig nicht mehr gewillt, mit milden Strafen auf eine mögliche Abschreckung von Mai-Chaoten zu verzichten. Der gestrige Richterspruch ist nicht der erste, der hart ausfällt. Ein Beispiel: Im Juni verurteilte das Amtsgericht einen Mann zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung. Der 29-Jährige hatte in der Walpurgisnacht vom 30. April auf den 1. Mai im Mauerpark in Prenzlauer Berg Flaschen auf die Polizei geworfen.

Die für politische Delikte zuständige Abteilung 11 der Staatsanwaltschaft unter der Leitung von Oberstaatsanwalt Jürgen Heinke hat sich seit dem 30. April allein wegen der Ausschreitungen in der Walpurgisnacht und am 1. Mai mit 348 Verfahren befassen müssen, mit oftmals mehreren Einzeltaten. In 134 Fällen ging es um Landfriedensbruch, dann folgen 110 Körperverletzungen und 103 mal Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Die Abteilung 11 erhob 139 Anklagen. Inzwischen sind 29 Urteile ergangen. Bislang wurden nur 16 Verfahren eingestellt.

Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel im Tagesspiegel dazu verpassen? » Informieren | » Login

Aus anderen Ressorts

Nominierungen:

Deutscher Filmpreis: So kann’s gehen
Kurz und witzig- mit Iris Berben und Bruno Ganz: In Berlin wurden die Nominierungen zum 60. Deutschen Filmpreis präsentiert. "Das weiße Band" ist gleich 13-mal nominiert.

Axolotl Roadkill:

Rufschädigend ist das!

Bundesliga:

Gladbach und Köln spielen friedlich 1:1
Im rheinischen Prestigeduell zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach konnten sich beide Teams mit einem 1:1 (0:0) nicht deutlich im Kampf gegen den Abstieg aus der Fußball-Bundesliga befreien.

102 Sekunden in Barcelona:

Die Mutter aller Niederlagen

Kommentare [ 0 ]

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Kommentar hinzufügen Neue Community-Funktionen Richtlinien


Sie können noch Zeichen schreiben.
Kommentare werden nicht sofort angezeigt. Beachten Sie hierzu unsere Richtlinien.

Um diesen Beitrag absenden zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     
Sie haben noch keinen eigenen Account? Dann bitte
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 10 : 2 = 


Anzeige
Weitere Themen

Berliner Eltern warnen vor Lehrergewalt gegen Schüler Lesezeichen hinzufügen

Von Susanne Vieth-Entus
Berlins Landeselternausschuss warnt vor einer Zunahme der Gewalt von Lehrern ... mehr...

Die Nikolaikirche: Wie neu erschaffen Lesezeichen hinzufügen

Von Lothar Heinke
Die Nikolaikirche, Berlins ältestes Gotteshaus, wurde zwei Jahre lang saniert. mehr...

Bar 25 in Texas: Botschaft mit Bulette Lesezeichen hinzufügen

Von Martin Böttcher
Berliner Labelchefs und Bands sind nach Texas gereist, um auf dem SXSW-Festival ... mehr...

Schreibtisch West, Arbeitslosengeld Ost Lesezeichen hinzufügen

Von Ingo Schmidt-Tychsen
Ein früherer Geschäftsführer einer Immobilienfirma klagte auf mehr ... mehr...

Schülerauswahl: Leistung statt Wohnort zählt Lesezeichen hinzufügen

Von Susanne Vieth-Entus
Das Wohnortprinzip ist vorbei – jetzt sollen Leistungskriterien den Ausschlag ... mehr...
Fotostrecken

Nikolaikirche (9 Bilder)

Gefährliche Hunde (9 Bilder)

Der Frühling kommt (19 Bilder)

Friedrichstraße im Wandel (8 Bilder)

Wechseljahre im Abgeordnetenhaus (7 Bilder)

ITB 2010 (9 Bilder)
Neues Klinikportal
Immer das passende Berliner Krankenhaus für eine stationäre Behandlung oder einer Krankheit finden.
---
Unser neuer Service zeigt die Aussichten in allen Bezirken
Anzeige
---
Alexanderplatz, Hertha, Mediaspree: Leserdebatten auf Tagesspiegel.de. Diskutieren Sie mit!
Anzeige