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Angefeindet und bedroht

Jüdische Jugendliche werden in Berlin immer öfter Opfer antisemitischer Straftaten
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Immer häufiger werden jüdische Jugendliche Opfer von antisemitischer Straftaten. Seit Anfang des Jahres soll es Experten zufolge bereits 190 solcher Fälle gegeben haben – mehr als in den Jahren 2003 (123) und 2004 (146). Im Vorjahr waren zwar 272 Taten registriert worden, darunter waren aber mehrere Dutzend Schmierereien eines vermutlich rechtsgerichteten Einzeltäters, die die Statistik verfälschen. Auffällig in diesem Jahr ist, dass vielfach muslimische Jugendliche aus der Türkei oder arabischen Ländern in Erscheinung traten. „Wir hören regelmäßig von verbalen und physischen Attacken“, sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, der Nachrichtenagentur ddp. Die Übergriffe kämen in letzter Zeit verstärkt von arabischen Jugendlichen, sagte Joffe.

Jüngster Vorfall: Am 19. November soll es zu Ausfälligkeiten bei einem Fußballspiel von A-Jugend-Spielern des jüdischen Vereins TuS Makkabi gekommen sein. „Schiedsrichter, du bist wohl auch ein Jude, oder haben die dich gekauft?“, soll der Spieler Hakan U. vom Verband Tempelhofer Spielvereinigung (TSV) Helgoland gesagt haben, weil Makkabi führte. Derselbe Spieler soll laut Makkabi-Trainer Ronny Popp einen Makkabi-Spieler vor 70 Zuschauern mit den Worten „Guck nicht so hässlich, du scheiß Jude, ich fick deine Mutter“, beleidigt haben.

Ein muslimischer Spieler von Makkabi wurde am selben Spieltag nach eigener Aussage am U-Bahnhof Mariendorf von Jugendlichen mit arabischem Migrationshintergrund gefragt, warum er ein Verräter sei und für „diese Juden“ spiele. Er und ein weiterer Spieler des jüdischen Verbandes seien am U-Bahnhof Opfer von Handgreiflichkeiten und Beleidigungen geworden. Ein Spieler hat seine Aussage allerdings zwischenzeitlich zurückgezogen. Trainer Popp vermutet, der Jugendliche habe Angst vor weiteren Übergriffen.

Der Trainer von TSV Helgoland, Jens Borchert, und Vereinspräsident Joachim Gärtner, die bei diesem Spiel anwesend waren, bestreiten, dass die Vorfälle stattgefunden haben. „Wenn einer unserer Spieler so etwas gesagt haben würde, würden wir uns von ihm trennen. Politik und Religion haben auf dem Fußballplatz nichts verloren“, sagt Gärtner.

Doch nicht nur auf dem Sportplatz – auch an Berliner Schulen sind antisemitische Vorfälle keine Seltenheit. Eine jüdische Schülerin der Lina-Morgenstern-Oberschule in Kreuzberg wurde monatelang wegen ihres Glaubens drangsaliert. Nachdem Polizisten das Mädchen einige Male auf seinem Schulweg begleitet hatten, konnte dem Spuk ein Ende bereitet werden. Bei anschließenden polizeilichen Ermittlungen wurden zwölf Anzeigen geschrieben. In fünf Fällen ermittelte die Polizei wegen Körperverletzung, Beleidigung und Nötigung. Inzwischen hat die Justiz die Akten bekommen. Eine Schülerin, gegen die wegen Körperverletzung ermittelt wird, ist mittlerweile von der Schule verwiesen worden.

An der Jüdischen Oberschule in der Großen Hamburger Straße sind die Probleme jüdischer Jugendlicher an der Tagesordnung. „Wir haben pro Klasse mindestens einen Schüler, der wegen antisemitischer Vorfälle von einer anderen Schule gewechselt ist“, sagt Schulleiterin Elke Witting. Ihr 16-jähriger Schüler Mark B. aus Mitte berichtet von permanentem Mobbing an seiner alten Schule, einem Gymnasium in Wedding: „Moslemische Jugendliche haben permanent Judenwitze gemacht, alle haben gelacht. Und bei einer Klassenfahrt wurde auf dem Gelände des KZ Sachsenhausen Fußball gespielt.“ Den Lehrern seien die Probleme egal gewesen, sagt Mark B.

Michael Rump-Räuber vom Landesinstitut für Schule und Medien – der Berliner Fortbildungsstätte für Lehrer – bestätigt dies: „Es gibt in Berlin Lehrer, die in der Tradition der DDR bis heute noch antizionistische Vorurteile haben. Die liegen dann auf einer Linie mit den arabischen Schülern.“ Die Schüler seien dagegen eher durch einen starken Einfluss arabischer Medien geprägt. Für die sei das Wort Jude längst ein Schimpfwort geworden, sagte Rump-Räuber.
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