Das Tragen des in der Neonaziszene beliebten Modelabels Thor Steinar bleibt im Bundestag nicht nur für Besucher, sondern auch für Beschäftigte verboten. Der Grund für die erneute Bestätigung des bestehenden Verbots durch den Bundestag, ist ein Vorfall im Herbst letzten Jahres. Wie erst jetzt bekannt wurde, bemerkten Mitarbeiter des Bundestages im September, dass in der Poststelle ein Angestellter Thor-Steinar-Kleidung trug.
Der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gunkel (SPD) schrieb daraufhin einen Beschwerdebrief an Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). In dem Schreiben, das dem Tagesspiegel vorliegt, forderte Gunkel die Einhaltung der Kleiderordnung und bat um „eine Sensibilisierung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Erkennen und dem aufgeklärten Umgang mit verfassungsfeindlichen Symbolen und Organisationen“.
In ihrer Antwort versicherte die Bundestagsverwaltung, dass verstärkt auf das Verbot der Marke geachtet werde. Sollten Angestellte des Bundestages trotzdem mit Kleidungsstücken des Modelabels gesehen werden, gebe es zusätzlich ein „Kritikgespräch“ mit dem Vorgesetzten.
„Das Tragen von Kleidung der Marke Thor Steinar ohne signifikantes Symbol des Nationalsozialismus erfüllt zwar keinen Straftatbestand, kann jedoch eine rechtsextreme oder antidemokratische Gesinnung zum Ausdruck bringen“, sagte Bundestagssprecher Christian Hoose. Kleidung oder Symbolik, die geeignet ist, „die Würde des Hauses zu verletzen oder Störungen hervorzurufen“, sei nicht willkommen. Wer seine Thor-Steinar-Kleidung nicht draußen lässt, darf das Gebäude nicht betreten. „Bei Bedarf kann seitens der Polizei ein Platzverweis erteilt werden“, sagte Hoose weiter.
„Wer Thor Steinar trägt, will in aller Regel eine antidemokratische Haltung zum Ausdruck bringen“, sagte der Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy (SPD). „Das Verbot der Marke im Bundestag ist ein absolut richtiger und vernünftiger Weg.“ Niemand trage ein derartiges Modelabel ohne Grund.
Damit ist der Bundestag neben dem Schweriner Landtag die zweite öffentliche Einrichtung, die der umstrittenen Marke ein Hausverbot erteilt. In Schwerin war einer der Gründe für den Beschluss, dass der parlamentarische Geschäftsführer der rechtsextremen NPD, Stefan Köster, zu einer Sitzung des Ältestenrates mit einem Thor-Steinar-Pullover erschienen war. Auch in den Stadien von Hertha BSC, Borussia Dortmund, Werder Bremen sowie in vielen Berliner Klubs ist das Tragen von Thor Steinar verboten.
Norwegen hat im vergangenen Jahr gegen die Mediatex GmbH, die für Thor Steinar auftritt, Anzeige erstattet, da die Firma die norwegische Fahne zu Werbezwecken missbrauche. Die Öffnung des Thor-Steinar-Ladens in der Rosa Luxemburg Straße löst seit Anfang Februar Proteste von Politikern, Anwohnern und linken Gruppen aus.
Dem Verfassungsschutz ist Thor Steinar ebenfalls bestens bekannt. „Unter Rechtsextremisten ist die Marke beliebt und gilt als szenetypisches Erkennungs- sowie Abgrenzungsmerkmal“, heißt es vom Verfassungsschutz Brandenburg.
Johannes Radke
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 16.03.2008)
Kommentare [ 2 ] Kommentar hinzufügen »
seit dem geht er nicht mehr zu hertha.
Die Tatsache, dass Bekleidung des Labels Thor Steinar in der rechten Szene getragen wird, ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Das Trägern des Labels aber grundsätzlich eine verfassungsfeindliche Haltung vorzuwerfen ist, halte ich doch für einen Witz.Wie in dem Artikel erwähnt, trägt niemand diese Bekleidung ohne Grund, stimmt, der Grund liegt für mich schlicht und ergreifend darin, dass mir die Kleidung gefällt.
Adolf Dassler war ebenfalls bekennender Nationalsozialist und Mitglied der NSDAP. Alois Müller soll auf den Spendenlisten der NPD auftauchen.
Konsequenz erfordert, meiner Auffassung nach, nun auch ein Verbot von Adidas Bekleidung sowie ein Verbot von Müllermilch und dem Joghurt mit der Ecke im Bundestag.
Es ist einfach albern, der rechten Szene ein eigenes Label zuzusprechen und ihnen somit ein offizielles Erkennungsmerkmal zu bieten.
Ich bin Sozialdemokrat und keineswegs rechts orientiert. Es ist für mich ein Teil der Demokratie, dass ich aufgrund meiner Bekleidung nicht diskriminiert werde.
Die Vorwürfe gegen Mediatex sind aus meiner Sicht rechtlich nicht haltbar.
Verfassungsfeindliche Symbole kann ich in dem verwendetetn Logo von Thor Steinar nicht entdecken. Alles eine Frage der Interpretation.
Im Handelsregister wird im Übrigen Mohammed M. Aweidah als Geschätsführer der Marke Thor Steinar geführt, das Unternehmen ist an eine Arabische Firma mit Sitz in Dubai verkauft. Ich hege Zweifel daran, dass diese Herren zur Neonaziszene gehören.