Berlin : Arzneimittelkosten: Stichworte: Was sind Kollektiv- und Individualregresse?

Die Gesundheitspolitik krankt an komplizierten Begriffen. In den vergangenen Wochen machten zwei solcher Wörter die Runde: Kollektiv- und Individualregress.

Beide hängen mit den Überschreitungen der Arzneimittelbudgets zusammen. Ein Kollektivregress würde bedeuten: Verordnen die Ärzte eines Bundeslandes mehr Medikamente, als ihnen ihr Gesamtbudget zugesteht, müssen sie gemeinsam die überzogene Summe zurückzahlen. Ein Individualregress trifft hingegen den einzelnen Arzt und bezieht sich auf dessen Praxisbudget.

Kollektivregresse ließen sich in der Vergangenheit rechtlich nicht durchsetzen, weil die Patienten der einzelnen Facharztgruppen einen höchst unterschiedlichen Medikamentenverbrauch haben. Radiologen greifen sehr selten, Internisten oder Allgemeinmediziner umso mehr zum Rezeptblock. Folglich wollen jene, die sich unschuldig fühlen, nicht für Überschreitungen der anderen aufkommen. Deshalb wurde ein in Mecklenburg-Vorpommern verhängter Kollektivregress zurückgenommen. Er hätte Klagen nicht überstanden.

Die neue Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat die Kollektivregresse gegen den Protest der Kassen abgeschafft. Geplant ist auch, die Budgets zu kippen. Danach will die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin aber weiter Richtgrößen und Budgets für die einzelnen Praxen sowie Prüfverfahren beibehalten und gegebenenfalls Regresse verhängen.

Dabei sollte man wissen: Die KV verteilt die von den Kassen gezahlten Abrechnungsgelder nach einem komplizierten Schlüssel an die Praxen, versteht sich als deren Interessenvertreter, gerät aber häufig in eine Zwitterrolle, weil sie gegenüber den Kassen vermitteln muss und nicht umhin kommt, gesetzliche Vorgaben wie die Wirtschaftlichkeitsprüfungen in die Tat umzusetzen.

Die Prüfungs- und Beschwerdeausschüsse sind nach einem raffinierten System paritätisch mit Kassen- und KV-Mitgliedern besetzt. Wegen der unterschiedlichen Interessen wechseln ihre Vorsitzenden jedes Jahr. Entweder ist ein Kassen- oder KV-Vertreter Chef und damit Zünglein an der Waage: Er hat als einziger zwei Stimmen.

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