Berlin : Arztpraxen vereinzelt geschlossen Mediziner streiken noch bis Freitag

Liva Haensel

In Berlin und Brandenburg stand gestern so mancher erstaunte Patient vor verschlossener Tür. Grund ist die Protestaktion, zu der der Verband Freie Ärzteschaft bundesweit aufgerufen hat. Noch bis zum Freitag werden sich einige Haus- und Fachärzte daran beteiligen. Die Freie Ärzteschaft schätzt, dass 20 bis 25 Prozent der Mediziner bei der Aktion mitmachen, in Großstädten wie Berlin aber durchaus weniger.

Die Kritik der Ärzte richtet sich dieses Mal gegen die Großkonzerne, die nach Meinung des Verbandes die ambulante Versorgung von Patienten immer mehr „aushungern“ würden. „Investoren kaufen Kliniken auf und handeln Versorgungsverträge mit Krankenkassen aus – die freie Arztwahl fällt dadurch weg“, sagt Martin Grauduszus, Präsident der Freien Ärzteschaft. Die Aktion solle den Menschen daher als Zukunftsszenario vor Augen geführt werden: Wenn es keine Arztpraxen mehr gibt, wird der Patient vor verschlossenen Türen stehen.

Vielen Patienten, die bis Freitag bei ihrem Arzt einen dringenden Termin benötigen, bleibt nur der ärztliche Vertreter. Auf dem Anrufbeantworter könnte einen nämlich dieser Satz erwarten: „Aufgrund der Gesundheitspolitik bleibt die Praxis bis zum 28. März geschlossen“. Mediziner, die ihre Praxis dicht machen, verweisen allerdings auf dem Tonband fast immer auf Kollegen in der Nähe, bei denen der Patient Hilfe findet.

Wie viele Ärzte sich tatsächlich in Berlin an dem Streik beteiligen, kann weder die Kassenärztliche Vereinigung (KV) noch die Freie Ärzteschaft sagen. „Uns ist keine einzige Praxis bekannt, die sich für die Schließung angemeldet hat“, sagt Rafaela Graf von der Pressestelle der KV.

Daniel Panzer, Chef-Anästhesist der privaten Schloßklinik in Steglitz, ist Mitglied des streikendes Verbandes und befürwortet den Ausstand. „Ich kann selbst nicht die Türen schließen, weil ich von meinen Operateuren abhängig bin“, sagt er. Aber der Protest wirke sich deutlich aus: „Wir haben diese Woche nur zehn Patienten, die wir operieren. Normalerweise sind es 40 bis 60.“ Wolfgang Mitlehner, Vorsitzender des Vereins Medi Berlin, geht davon aus, dass sich an der Protestaktion viele Ärzte beteiligen: Ein Grund dafür sei auch, „dass das Quartal zu Ende geht und viele dann kostenlos arbeiten, weil sie über dem Budget liegen“. Medi Berlin will dem Beispiel folgen – zum nächsten Quartal soll es wieder „öffentlichkeitswirksame Aktionen geben“, so Mitlehner. Liva Haensel

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