Berlin : Asbestos - Das Unvergängliche (Kommentar)

Lorenz Maroldt

Wie sich die Bilder gleichen. Der große Saal im Palast der Republik sieht aus wie vor kurzem noch der Plenarsaal im entkernten Reichstag. Der Rohbau steht, das Mauerwerk ist unverputzt und wirkt vielleicht gerade deshalb so stark. Doch während es im Reichstag aufwärts ging, wird der Palast gerade abgebaut. Der Zustand aber ist derselbe. Mit einem Rohbau, auch mit dem des Palastes, kann man zweierlei machen: ihn abreißen oder aufbauen.

Manche hatten klammheimlich, andere ganz offen gehofft, dass ein vom Asbest befreiter Palast kein Gebäude mehr, sondern nur noch ein Torso sei, den abzureißen sich von selbst versteht. Eine Entscheidung wäre somit nicht nötig gewesen, denn hier, an diesem besonderen Platz, scheint fast jede Entscheidung fast unmöglich zu sein. Nur eins war klar, ganz unbestritten: Der Palast der Republik war voller Asbest, und der musste weg.

Asbest kommt von dem griechischen Wort Asbestos, das Unvergängliche. Ein komischer Zufall, dass ausgerechnet ein unvergänglicher Stoff der Katalysator für Vergänglichkeit sein soll. Ein Widerspruch? Es ist hier nicht der einzige. Der Schlossplatz wird noch so manchen aushalten müssen - und auch aushalten können. Vielleicht sogar den, dass der alte Palast der Republik ein Teil des neuen Schlosses wird.

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