Berlin : "Aschinger"-Lokale: Das Original ist längst perdu

Ekkehard Schwerk

Die zwei "Aschinger"-Lokale, die mit diesem Namen auf einen seit 24 Jahren verschwundenen Traditionsbetrieb angespielt haben, am Kurfürstendamm in Charlottenburg und an der Neuen Promenade in Mitte, geben auf. Sie haben, wie die "Berliner Morgenpost" gestern berichtete, Konkurs angemeldet. Zu einer Stellungnahme waren sie nicht erreichbar.

Mit dem Geniestreich der süddeutschen Brüder Carl und August Aschinger haben die jetzt gescheiterten Lokale nichts gemeinsam, sind mit der Aschinger-Dynastie weder verwandt noch verschwägert. Es geht also keineswegs um den Abschied von einem verloschenen Traditionsbetrieb. Die letzte der ehedem über Berlin verstreuten Löffelerbs- und Schrippenstätten namens Aschinger war 1976 in der Joachimstaler Straße Pleite gegangen. Günter Matthes bemerkte am Rande dazu im Tagesspiegel: "Vom Ruf allein kann einer in dieser Stadt nicht leben." Er reagierte auf die "Süddeutsche Zeitung" und die "FAZ", die von weit weg glaubten, Kullertränen rollen lassen zu müssen: "Allgemein wird Berlin heutzutage von draußen immer wieder in der Pfanne der einstigen Reichshauptstadt geschmort." Es sollte, schrieb Matthes weiter, nicht versucht werden, den Berlinern nachzureden oder gar einreden zu wollen, sie könnten ihrerseits diese ihre Stadt nur nach dem Rezept der unnachahmlichen zwanziger Jahre genießen: "Aschingers Brötchen waren einfach altbacken."

Und wer jetzt mit verklungenen Namen hausieren geht, muss sich nicht wundern, wenn die Chose in die Hose geht.

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