Berlin : Asphalt statt Kreuzberger Pflaster?: CONTRA von Matthias Oloew

Ja, die Berliner Gehwege, die sind schon praktisch. In der Mitte liegen kiloschwere Granit- oder Betonplatten, an den Rändern kleinere Steine, die besonders gut in der Hand liegen. Für jede Art von Krawall ist also etwas dabei. Der durchschnittliche Steinewerfer, der es ein bisschen eilig hat, buddelt die kleinen Exemplare aus. Für Attentate größeren Ausmaßes eignen sich die gewichtigeren Platten. Und diese Steine sollen so mir-nichts-dir-nichts aus dem Kreuzberger Straßenbild verschwinden?

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Ted: Asphalt statt Kreuzberger Pflaster? Ernsthaft: Das Asphaltieren der Gehwege wird wohl kaum einen Krawall verhindern. Wenn Steine nicht mehr zur Verfügung stehen, finden sich eben andere Dinge, die gegen heranrückende Polizeitruppen geworfen werden können. Es wäre wohl schwer naiv zu glauben, mit dem Verschwinden der kleinen Steine wäre die Randale passé. Erinnern wir uns: Die Auseinandersetzungen in der Mainzer Straße in Friedrichshain vor acht Jahren waren auch nicht minder gewalttätig, nur weil die Hausbesetzer keine kleinen Steine zu Verfügung hatten. Damals flogen gleich ganze Gehwegplatten aus den Fenstern. Nur das Wohnzimmerinventar blieb, wo es war.

Asphalt auf den Bürgersteigen würde darüber hinaus dem bekannten Erscheinungsbild der Berliner Gehsteige den Garaus machen. Das so genannte Charlottenburger Pflaster mit Granitplatten in der Mitte und Mosaikpflaster rechts und links, ist im Original zwar kaum noch anzutreffen, aber die Kopie, die in Kreuzberg und anderso zu finden ist, ist typisch für diese Stadt und damit unbedingt erhaltenswert.

Lassen wir also alles, wie es ist, und buddeln am Tag nach dem 1. Mai die Steine wieder dort ein, wo sie herkommen: ins Gehwegpflaster.

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