Berlin : Astronauten-Matratze und gefedertes Rentnerrad

Tanja Buntrock

Bestimmt viel Überflüssiges würde es dort geben, vermutet Rentner Helmut Schwab, als er vor dem Eingang der Messehalle 26b steht. Zur Seniorenmesse "Aktiv im Alter" ist der 68-Jährige dennoch aus Potsdam, wo er seit drei Jahren lebt, nach Berlin gefahren. Schwab empfiehlt einem anderen Besucher, dem 69-jährigen Peter Mangold aus Fürstenwalde, nach einer Matratze Ausschau zu halten, "die aus Material gefertigt ist, das auch Astronauten im Weltall tragen". Die Matratze würde sich der Körperform anpassen. Schwab schwört darauf. Herr Mangold notiert sich das, und macht sich dann bei den 100 Ausstellern auf die Suche.

Ob Essen auf Rädern ("Püriert, cholesterinarm oder ohne Fleisch"), Seniorenresidenzen, Seniorenreisen ("mit Herz", versteht sich), Hörgeräte oder Anlageberatung: Für alle, die zumindest auf dem Papier gealtert sind, versuchen die Veranstalter etwas zu bieten. An Stand 115 bekämpft Christine Becker Parasiten, Viren und Bakterien. Ihre Waffe: ein sogenannter "Zapper". Frau Becker nennt das "den elektrischen Stuhl für Parasiten". Mit dem Zapper und der damit einhergehenden "pulsierenden Magnet-Therapie" würden Krankheiten wie Rheuma, Arthritis, Osteoporose, aber auch Blasenentzündungen behandelt werden können. "Mit dem Gerät lässt sich sogar eine Malaria wegzappen", ist Frau Becker überzeugt. Gegen diese Tropenkrankheit müssen die Besucher aber wohl seltener vorgehen. "Aber Ältere sind anfällig für Erkältungen", fügt die Händlerin hinzu. Diese ließen sich mit dem Zapper vom Beginn behandeln. "Woher wissen Sie das?", fragt eine 60-jährige Besucherin. "Wissenschaftliche Studien", kontert Christine Becker. 198 Euro kostet das Gerät.

Wie Perlen an der Kette stehen ein paar Stände weiter vollgefederte Fahrräder zur Probefahrt bereit. Der Verkäufer setzt sich auf so ein 769-Euro-teures Gefährt und wippt anschaulich hin und her. "Besonders für ältere Leute mit Rückenleiden sind diese Räder ideal", sagt der Geschäftsinhaber Uwe Kalisch. Ein 72-Jähriger besteigt das Fahrrad und fährt zittrig durch das Probe-Areal. "Man muss sich an das Federn erst gewöhnen", sagt er, "bei meinem Rad ist alles ganz starr."

Nach einem langen Tag auf der Messe ist für die 60-jährige Händlerin an einem Wellness-Wohlfühl-Stand klar, was sie abends tut: Na, klar, in den Lehnstuhl setzen und dann das Massagegerät in den Rücken drücken. Sie demonstriert es sogleich an ihrem mit mehreren Sesseln bestückten Stand. Aus dem elektrischen Gerät ragen zwei überdimensionale, mit Stoff bezogene Daumen heraus, die auf Knopfdruck schnell oder langsam, mit starker oder schwacher Vibration massieren. "Kann man nicht nur für den Rücken, sondern auch für Beine und Füße benutzen", fügt die Händlerin hinzu. Da hätten dann auch die jüngeren Familienmitglieder etwas davon.

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