Astronomie in Berlin : Dem Himmel so nah

Heute vor 50 Jahren eröffnete die Wilhelm-Foerster-Sternwarte auf dem Insulaner. Das erste Fernrohr stammte aus dem Schutt der Urania-Sternwarte an der Invalidenstraße

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Beleuchtungstechnisch ist das Sternbild des Orion dem des Großen Bären klar vorzuziehen. Das Problem ist der Bärenschwanz – der ist zugleich die Deichsel des Großen Wagens, gebildet aus den Sternen Alioth, Mizar und Benetnasch. Aber das führt jetzt vielleicht zu tief in die Geheimnisse der Astronomie und zu weit weg von den Beleuchtungsfragen, die vor einem halben Jahrhundert die Erbauer der Wilhelm-Foerster-Sternwarte auf dem Schöneberger Insulaner plagten. Gerne hätten sie sich für den Großen Bären entschieden, als Form, wie die Lampen der Deckenbeleuchtung in der Eingangshalle angeordnet werden sollten, aber dem Schwanz trauten sie dann doch zu wenig Strahlkraft zu. Also wurde es das Sternbild Orion, auch an den Orion-Nebel hatte man gedacht, der an der vorgegebenen Stelle als erleuchtetes Diapositiv in die himmelblaue Decke eingelasssen wurde.

Den Nebel hat man gerade erst erneuert, ansonsten hat sich an der Illumination seit dem 30. Januar 1963 nicht allzu viel verändert. An der Gesamtanlage, neben der Archenhold-Sternwarte in Alt-Treptow, dem Zeiss-Großplanetarium in Prenzlauer Berg und der Bruno-H.-Bürgel-Sternwarte auf dem Spandauer Hahneberg einer der Traumorte hiesiger Sternenfreunde, dagegen schon. Zum Beispiel ist zwei Jahre nach der Sternwarte das Planetarium dazugekommen, in dem Sterngucker bequem im Sessel ins All und zurück reisen können. Ein kleines Planetarium hatte schon die Sternwarte bei ihrer Eröffnung vorzuweisen: die von einer Ultraviolett-Lampe repräsentierte Sonne mit ihren sie auf Knopfdruck umkreisenden Kunststoffplaneten. Die hatte man eigens mit fluoriszierender Lösung bestrichen, damit sie bei abgeschalteter Raumbeleuchtung scheinbar schwerelos in ihrem Miniatur-Sonnensystem schwebten. Die planetarische Kuriosität hat im Vortragssaal der Sternwarte bis heute überlebt.

Vor deren Neubau auf dem zuvor für ein Funkfeuer der Amerikaner genutzten Trümmerberg hatte es ein Provisorium in einer Kaserne in der Schöneberger Papestraße gegeben. Die Sternwarte in Treptow mit ihrem Riesenrefraktor befand sich ja jenseits der Mauer, und die Sternwarte der Urania an der Invalidenstraße lag in Trümmern. Aus ihnen konnte zumindest der Bamberg-Refraktor geborgen werden, der erst an der Papestraße eingesetzt wurde und seit 1963 auf dem Insulaner, mittlerweile mehrfach restauriert, nach wie vor seinen Zweck erfüllt.

Das Fernrohr wurde auf einen separaten Betonpfeiler montiert, der durch die Bodenplatte der Sternwarte in den Trümmerberg ragt. So wurde vermieden, dass die Erschütterungen des Alltagsbetriebs, durch Türenschlagen beispielsweise, sich auf das Fernrohr auswirken konnten.

Ohnehin musste einige Zeit gewartet werden, bis der Trümmerberg als geeignet galt. Zuvor war er Jahr für Jahr um fünf Millimeter geschrumpft – durch Setzbewegungen, schließlich war es kein natürlich entstandener Berg, sondern aufgehäufte Trümmermasse.

Rechtzeitig zum Jubiläum, das heute am frühen Abend mit einer kleinen Feier begangen wird, ist das Foyer von einem Künstler neu gestaltet worden. Kostspieliger sind die Pläne zur Übernahme der alten TU-Kuppel, die überholt und mit einem geerbten Teleskop ausgestattet werden soll, steuerbar dann sogar per Computer. Man hofft auf Lottomittel, mit denen auch der Neubau 1963 teilweise finanziert worden war.

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