Berlin : ASYLBEWERBER

Schön brrraun. Nicht jeder Asylsuchende ringt in Hellersdorf um Akzeptanz. Foto: dpa
Schön brrraun. Nicht jeder Asylsuchende ringt in Hellersdorf um Akzeptanz. Foto: dpaFoto: picture-alliance/ dpa

Ach, liebe Leserinnen und Leser, eine Woche ist es nun her, dass rund um das Hellersdorfer Asylbewerberheim mit Nazi- und Gegendemo alles seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Wir, einst groß geworden in relativer Nachbarschaft eines blitzfriedlichen Asylbewerberheims, sind seitdem nicht müde geworden, nachzudenken: Wenn einige Hellersdorfer nun partout kein Heim haben wollen, womit könnte man sie dann beglücken? Wir hätten da wohl Ideen:

1. Eine Schule

Schreiende Kinder, überall liegt Müll und im Ilex werden Drogen vertickt? So, wie sich der gemeine Nazi ein Asylbewerberheim vorstellt, sehen ja in Gottes schöner Realität vor allem staatliche Schulen aus. Deshalb: einfach das Max-Reinhardt-Gymnasium wiedereröffnen, bis zum Rand mit treudeutschen Bildungsversagern aus dem Umland füllen und fertig ist eine für alle befriedigende Lösung. Wie bitte? Nicht? Schön, wir können auch anders:

2. Künstlerhaus „Carola bleibt“

Ein Vorschlag zur Güte, Hellersdorf:

Wir nehmen euch die Flüchtlinge wieder weg. Dafür bekommt ihr ein nach „kreativen Freiräumen“ plärrendes Paket aus deutschen Alt-Punks, brasilianischen Jung-Hipstern und Dr. Motte und dürft fortan Zaungäste bei täglich als Kunstinstallation dekorierten Elektro-Raves und Straßenschlachten sein. Zu alternativ? Dann hätten wir da alternativ Folgendes:

3. Townhäuser „Leben am Hasenpfuhl“

Wir überspringen die Vorboten der Gentrifizierung (s.o.) und gehen „in medias res“: ein schönes Großprojekt mit Tiefgarage, schwupps kommt die Staffelmiete auch in die Hütte gegenüber, während auf der Straße dazwischen überzüchtete Kinder neurotischer Mütter von einem Nervenzusammenbruch in den nächsten toben. A propos neurotisch und Mütter:

4. Judith Holofernes

Die Sängerin beschwerte sich neulich blogweise, dass bei der Kreuzberger Einschulung ihres Sohnes die SPD die Unverfrorenheit besaß, Geschenktüten an Erstklässler zu verteilen. Eine demokratische Partei! Brotdosen und Zahnbürsten! Ein Skandal! Bevor wir selbst in diesen kleinbürgerlich als gutmenschelnde Werbefeindlichkeit getarnten Politiker- und Politikhass verfallen und Hellersdorf alle Politiker Berlins und ihre gesamte Wahlwerbung an den Hals wünschen, wählen wir lieber das größere Übel. Hellersdorfer, nehmt Holofernes! Alternativ:

6. Städtisches Bärengehege

Nehmt Schnute, unsere einsame Stadtbärin aus dem Köllnischen Park. Und zwar frei laufend! Nicht wahr, so ein schönes, braunes Tier? Viel Freude damit ...

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