Asylpolitik in Brandenburg : Flüchtlingsrat kritisiert Kasernierung

Die Kommunen setzen wieder auf große Einrichtungen, um die wachsende Zahl der Asylbewerber unterzubringen. Das ist falsch, sagt der Flüchtlingsrat.

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Die Kommunen in Brandenburg haben große Probleme, die Flüchtlinge unterzubringen. Bis Jahresende fehlen noch bis zu 700 Plätze. Nach aktuellem Stand muss das Land in diesem Jahr rund 6000 Asylbewerber aufnehmen – fast doppelt so viele wie 2013. Mehrfach hatte der Bund den Bedarf angehoben – und mehrfach erwiesen sich die Planungen der Kommunen als überholt.

Schon die Zentrale Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt ist mit 1400 Menschen total überfüllt. Die Landesregierung beklagt, dass die Kommunen nicht schnell genügend Unterkünfte bereitstellen. Deshalb musste in Eisenhüttenstadt aufgestockt werden: mit Containern und Notbetten in der Turnhalle. Neue Außenstellen wurden eingerichtet. In Ferch (Potsdam-Mittelmark) soll für 300 Menschen in einer früheren Kaserne eine Unterkunft entstehen, auch andere, noch größere Kasernen sind im Gespräch.

Eigene Küchen sind besser

Der Flüchtlingsrat Brandenburg kritisiert scharf, dass das Land wieder verstärkt dazu übergegangen ist, Asylbewerber in großen Einrichtungen unterzubringen. Da sei man schon einmal weiter gewesen und habe eingesehen, dass eine wohnungsähnliche Unterkunft mit eigenen Küchen und Toiletten für die jeweiligen Familien sehr viel besser sei, sagt Gabi Jaschke vom Flüchtlingsrat: „Eine Kasernierung in Sammelunterkünften wird den Bedürfnissen der Flüchtlinge nicht gerecht.“

Sie fordert auch bessere Betreuung. „Viele dieser Menschen haben Schlimmes erlebt, sie brauchen Ärzte und Therapien. Sieht man von den ehrenamtlichen Helfern ab, so bezahlt das Land bislang einen Sozialarbeiter für 120 Flüchtlinge, das ist viel zu wenig.“ Der Flüchtlingsrat fordert einen Sozialarbeiter für 80 Asylbewerber beziehungsweise einen Sozialarbeiter für 40 traumatisierte oder besonders schutzbedürftige Flüchtlinge.

Viele Unterkünfte wurden geschlossen

Mehr als 50 Millionen Menschen seien weltweit auf der Flucht, sagt Gabi Jaschke. Die Flüchtlinge stünden also nicht plötzlich völlig überraschend vor der Tür. Leider habe man in den vergangenen Jahren viele Unterbringungsmöglichkeiten systematisch abgebaut – jetzt könnte man sie gut gebrauchen.

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